Lassen wir die Zahlen erst einmal sacken: EU-weit fehlen gezählte 390.000 Lkw-Parkplätze. Deutschland ist da ganz vorne dabei – und das nicht gerade mit stolzer Brust. Wer schon mal abends auf einer Raststätte an der A7 vor einer endlosen Kolonne parkender Laster stand, weiß: Die Situation ist nicht erst seit gestern hausgemacht. Was hinzukommt, ist dieser deutsche Hang, alle Parkflächen an der Autobahn möglichst 'fair' zu vergeben. Klingt gut – führt aber dazu, dass sich Lkw, Pkws und Reisebusse um dieselben engen Flächen drängeln. Interessant, dass unsere Nachbarn in den Niederlanden längst koordinierter agieren: Dort ziehen Provinzen, Ministerium und Hafenverwaltungen an einem Strang und stemmen die Planung gleich corridor-weise.
Doch das eigentliche Problem liegt tiefer. 'Das Fundament der Logistik bröselt', meint Trede – und diese Metapher rattert einem irgendwie nach. Zum ersten, ganz direkt, am Zustand unserer Straßen. Im internationalen Vergleich landet das deutsche Straßennetz – so Trede, der sich nicht in Zurückhaltung übt – mit einer mageren 3 von 10 Punkten ab. Wirklich: Die Niederländer machen es besser. Überhaupt erinnert einen das alles an einen schlecht gewarteten Oldtimer.
Der zweite Riss zieht sich durch die Marktstruktur selbst. Laut Statistik der Bundesbehörde haben Transportunternehmen mit 12,7 Insolvenzen je 10.000 Firmen einen traurigen Rekord inne; doppelt so viele Pleiten wie in der normalen Wirtschaft. Trede beklagt: Während die Großen des Geschäfts weiter wachsen, geraten kleine Betriebe zunehmend unter die Räder, nicht zuletzt wegen immer aufwendigerer Auflagen durch das EU-Mobilitätspaket. Man fragt sich unweigerlich, ob hier 'große Spieler' bewusst bevorzugt werden – und Trede legt da seine Vermutung keineswegs verschämt in den Satz: Weniger Unternehmen seien eben leichter zu überwachen.
Beide Probleme hätten, so Trede, ihren Ursprung in Deutschland selbst – und verlaufen langsam, schleichend, irgendwie unbemerkt. Er fragt sich fast schon resigniert: Wann kommt endlich der große Ruck, das Gegengewicht zu all dem Missstand?
Das Fehlen von Lkw-Stellplätzen ist in Deutschland ein gravierendes Problem, das auf beiden Seiten – Infrastruktur und Marktstruktur – zu erheblichen Schwierigkeiten führt. Während Länder wie die Niederlande ihre Parkflächen vorausschauend entwickeln, kämpft die Bundesrepublik mit chronischem Platzmangel sowie mangelnder Koordination und Planung bei der Bereitstellung neuer Stellflächen. Hinzu kommt die Erosion des logistischen Mittelstands, verursacht durch Insolvenzen, Überregulierung und einen Trend hin zu immer größer werdenden Unternehmen, was langfristig die Versorgungssicherheit und Innovationskraft der Branche bedroht.
Neueste Berichte zeigen zudem, dass laut einer aktuellen Anfrage der CDU/CSU im Bundestag das Bundesverkehrsministerium unfähig ist, den nötigen Ausbau der Lkw-Stellplätze rasch genug voranzutreiben, während Akteure aus der Branche vor den Sicherheitsrisiken durch übermüdete Fahrer warnen. Zeitgleich verschärfen sich wirtschaftliche Abwärtsbewegungen: Die Zahl der Insolvenzen im Transportsektor hat laut aktuellen Veröffentlichungen im ersten Halbjahr 2024 weiter zugenommen, insbesondere bei kleinen Frachtunternehmen, die unter den gestiegenen Kosten und administrativen Anforderungen leiden. Auf europäischer Ebene fordert nun auch der Branchenverband Transport & Logistik Deutschland (TLG) eine konzertierte Initiative unter Einbindung von Bund, Ländern und Kommunen, um gemeinsam „Strategien gegen das Parkplatzchaos und das Mittelstandssterben“ umzusetzen.