80 Jahre Axel Springer: Wie Mut, Technologiehunger und klare Werte den Medienriesen prägten
Berlin – Es klingt beinahe simpel, fast naiv: Radio-Geschichten nicht einfach verhallen lassen, sondern sie für die Nachwelt festhalten, auf Papier gebannt – so startete 1946 der erste große Wurf des damals brandneuen Verlags Axel Springer. Nur wenige Jahre später wuchs „Hör zu!“ zum Millionenhit, der zeigte: Wer sich nicht scheut, kreativen Wandel zu leben, kann Vorreiter sein. Schon früh glimmte in diesen Projekten jenes Feuer, das den Verlag unaufhörlich antrieb – immer ein bisschen schneller und etwas experimentierfreudiger als die Konkurrenz.
03.07.26 13:50 Uhr | 2 mal gelesen
Es begann recht untypisch – nicht in einem Turm aus Glas, sondern in einem umgebauten Schafstall mitten in der Heide. Heute kann Axel Springer mit Standorten in Berlin, New York und neuerdings auch London auf wirklich globale Reichweite verweisen. Die Unternehmung des Namensgebers war fast immer einen Schritt voraus: Die ersten Zeitungen in kräftiger Farbe, als andere noch Schwarzweiß aufboten, oder der Versuch, mittels Bildplatten und eigenem Vorläufer des Internets die Welt zu verändern – mal visionär, mal seiner Zeit voraus. Rückschläge? Gab’s zuhauf – ob technologische Fehltritte oder gestoppte Übernahmen. Doch oft zeigt sich erst in der Rückschau, wie nützlich ein gescheiterter Coup sein kann: Plötzlich stehen Ressourcen für neue Digitalwelten bereit.
Mit Mathias Döpfner und Friede Springer gab es dann einen vollständigen Neustart. Die Devise: Digitalisierung über alles! Wer zögert, bleibt schnell auf der Strecke. Heute mag es selbstverständlich wirken, dass ein Medienhaus auf KI setzt; zu Beginn wurde der Fokus auf Internet und digitale Angebote noch belächelt. Inzwischen schreibt Springer mit schlagkräftigen Marken wie BILD, WELT, POLITICO und längst auch im internationalen Umfeld die eigene Erfolgsstory fort. Nicht vergessen: Die Grundhaltung blieb stets sichtbar, von der Aussöhnung mit Israel bis zum konsequenten Bekenntnis gegen Extremismus.
Natürlich war der Wind nicht immer günstig. Von gewaltsamen Angriffen bis zu inneren Krisen – der Verlag hat einiges durchgestanden und sich notfalls sogar öffentlich hinterfragt. Seit der Rückkehr in Familienhand 2025 scheint das Unternehmen flexibler denn je. KI wird nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern als Hebel, um Journalismus intensiver, unabhängiger und mutiger zu gestalten. Der Mensch bleibt das Maß, Maschinen dürfen helfen – aber nie führen. Vielleicht ist gerade das die größte Kunst: Wandel leben, ohne die Seele zu verlieren.
Axel Springer feiert acht bewegte Jahrzehnte, geprägt von Innovationsfreude, oft forscher Digitalisierung und einer klaren Wertebasis. Das Unternehmen entwickelte sich vom regionalen Verlag zum internationalen Medienplayer, initiierte Trends und trennte sich zugleich – aus inhaltlicher Überzeugung, wie bei der Aufgabe der Russland-Aktivitäten – von Geschäftsfeldern. Seit der Rückkehr zu einer klaren Eigentümerstruktur und verstärkten Investitionen in KI und Digitalprojekte setzt Springer noch stärker auf nachhaltigen Journalismus, bleibt aber gleichermaßen auf Expansion aus und hegt ambitionierte internationale Ziele.
Durch die Akquisition der Telegraph Media Group erweitert Springer seine englischsprachige Reichweite erheblich, während der Ausbau von Marken wie Politico oder Business Insider die transatlantische Verbindung untermauert. Eine neuere Entwicklung ist der verstärkte Einsatz von generativer künstlicher Intelligenz: Sie dient im Haus Springer laut offiziellen Angaben nicht der Redaktionsautomatisierung, sondern zunächst als Werkzeug, um investigative, exklusive Inhalte effizienter und vielfältiger zu produzieren. Laut aktuellen Medienberichten experimentieren viele internationale Redaktionen ähnlich (siehe etwa aktuelle Artikel auf t3n.de und Spiegel.de). Insgesamt setzt Springer auf eine Mischung aus technologischem Fortschritt, Traditionsbewusstsein und beweglicher Corporate-Governance, um in der sich rapide wandelnden Medienwelt zu bestehen.