Was die Ukraine betrifft, macht Merz keinen Hehl daraus, dass Deutschland seiner Ansicht nach einen Löwenanteil der Hilfen stemmt – was sich fast wie ein Appell an andere Staaten anhört. Die 0,25 Prozent BIP, die die Balten zusagen, sind da schon fast symbolisch zu verstehen, so zwischen den Zeilen. Über Waffenstillstand spricht er auch, aber es wird nicht ganz klar, wie realistisch die Hoffnung auf Russlands Bereitschaft zum Dialog ist. Jedenfalls – Merz legt sich fest: Deutschlands und das baltische Sicherheitsbedürfnis sind zwei Seiten derselben Medaille.
Merz fordert vor dem Nato-Gipfel mehr europäische Geschlossenheit, um gegen die aus seiner Sicht zunehmende russische Bedrohung entlang der Ostflanke Europas gewappnet zu sein. Konkret äußert er Sorge über russische Luftraumverletzungen, digitale Angriffe und Sabotageakte und lobt die baltischen Staaten für ihren klaren Blick auf die Situation. Kritik, Reflexion und Appell gehen Hand in Hand: Er hebt Deutschlands Role beim ukrainischen Support hervor, kann aber nicht verbergen, dass ein umfassender Waffenstillstand mit Russland bislang in weiter Ferne liegt. Aktuelle Berichterstattung bestätigt, dass die Lage an der Nato-Ostgrenze weiterhin brisant bleibt. Die FAZ berichtet, dass besonders die baltischen Staaten sich verstärkt auf hybride Bedrohungen vorbereiten und den Schutz kritischer Infrastruktur, darunter Pipelines und Unterseekabel, intensivieren. Auch laut Spiegel und Zeit steigt innerhalb Europas die Bereitschaft, militärisch und politisch enger zusammenzuarbeiten, wobei das Ziel, die Nato-Handlungsfähigkeit zu sichern, als gemeinsamer Nenner hervorsticht. Zudem rücken Forderungen nach einer klareren Strategie gegenüber Moskau in den Vordergrund. Die diplomatische Stimmung ist, wie aktuell in mehreren Leitartikeln deutlich wird, extrem vorsichtig und von gegenseitigen Versprechen auf Solidarität geprägt. Gleichzeitig spüren viele Staaten einen wachsenden Druck, ihre nationalen Verteidigungsbudgets zu erhöhen und die Zusammenarbeit im Bereich Cybersicherheit auszubauen. Es zeigt sich ein komplexes Bild: Neben Appellen und Zusagen stehen Ängste vor Eskalation, aber auch das Bestreben, handlungsfähig und geschlossen zu bleiben.