Der Vorstand der Bundesärztekammer hat am Samstag unterstrichen: Alkohol, Tabak und eine Überdosis Zucker ruinieren nicht nur die Gesundheit vieler Menschen, sie kosten auch das Gesundheitssystem sowie die gesamte Gesellschaft Unsummen. Im Vergleich steht Deutschland beim Einsatz präventiver Steuermaßnahmen europaweit eher im Mittelfeld – höflich formuliert. Doch: Die bisherigen Pläne der Regierung sind der Ärzteschaft bei Weitem nicht streng genug. Wenn nur bestimmte Kategorien wie Schnaps, Sekt oder Modegetränke zur Kasse gebeten werden, entstehe ein Schlupfloch. Denn laut den Ärzten müsste auch Bier und Wein teurer werden – sonst weichen Konsumenten schnell aus. Ein weiterer Kritikpunkt: Die aktuelle Tabaksteuer reicht kaum aus, um gerade heranwachsende Jugendliche von trendigen E-Zigaretten-Liquids fernzuhalten. Solche Produkte bleiben, zumindest aus ärztlicher Sicht, viel zu reizvoll. Länder wie Großbritannien haben bereits bewiesen, dass gezielte Steuern Einkauf und Konsum dämpfen. Abseits monetärer Maßnahmen pocht die Ärzteschaft außerdem auf bessere Aufklärung, knallharte Werbeeinschränkungen und politische Leitplanken, die gesunde Entscheidungen leichter machen. Eine essenzielle Forderung: Die zusätzlichen Einnahmen durch diese Steuern sollten in Präventionsprojekte fließen – und keinesfalls im allgemeinen Staatshaushalt versanden.
Deutschland hinkt in Sachen Verbrauchssteuern auf ungesunde Genussmittel weiter hinterher – das bemängelt nicht nur die Ärzteschaft, sondern mittlerweile auch zahlreiche internationale Institutionen. Hintergrund ist, dass vergleichbare Länder wie Frankreich, Finnland oder Australien mit höheren Abgaben auf Spezialprodukte erfolgreich den Konsum und die Belastung des Gesundheitswesens gesenkt haben. In Deutschland plädieren Ärztinnen und Ärzte besonders dafür, auch populäre Getränke wie Bier und Wein nicht auszusparen sowie steuerliche Maßnahmen mit Bildungsarbeit und starken Werberestriktionen zu kombinieren – auch mit Blick auf die besorgniserregende Entwicklung bei E-Zigaretten unter Jugendlichen. Aktuelle Recherchen zeigen zudem, dass ein großer Teil der Einnahmen aus Lenkungssteuern international tatsächlich wieder in Gesundheitsschutzprojekte investiert wird – eine Praxis, die hiesige Vertreter ebenfalls fordern.