Unmittelbar vor der nächsten Sitzung im Bundestag plant die AfD-Fraktion, einen Antrag einzubringen, der konsequenter kaum sein könnte: Deutschlands staatliches Gold soll vollständig aus dem Ausland nach Hause geholt werden. Der Antrag, dessen Inhalt dem "Tagesspiegel" vorliegt, stellt das Edelmetall als einen gewichtigen Stabilisator dar – sowohl materieller als auch psychologischer Natur. Die Argumentation: Nur wenn das Gold physisch innerhalb deutscher Grenzen verwahrt wird, ist der Zugriff im Ernstfall garantiert und die Verfügungsgewalt der Bundesrepublik uneingeschränkt. Die AfD befürchtet, dass im Falle geopolitischer Spannungen – etwa durch Sanktionen – der Zugang zu im Ausland lagernden Werten versperrt werden könnte. Als Beispiele führt sie das Einfrieren russischer Vermögen durch die EU und US-amerikanische Diskussionen über die Kontrolle fremder Gelder an. Sogar ein Szenario, in dem Deutschland für Waffenlieferungen an die Ukraine in Gold „bezahlt“ werden müsste, skizziert der Antrag.
Die Sozialdemokratin und finanzpolitische Sprecherin Frauke Heiligenstadt hält dagegen: Sie wirft der AfD eine bewusste Dramatisierung der Lage vor, nur um bei verunsicherten Bürgern politisches Kapital zu schlagen. Die SPD sieht die Diversifizierung und internationale Streuung der Goldreserven Deutschlands als Stärke, nicht als Schwachstelle. Auch aus Reihen der Union kommt Gegenwind: Fritz Güntzler, ebenfalls finanzpolitischer Sprecher, betont, dass ein Teil des Goldes im Ausland liege, um im Ernstfall – etwa bei globalen Handelsproblemen – wichtige Importe absichern zu können. Die Präsenz in den USA habe dabei eine besondere Bedeutung, was eine Rückholung aller Reserven aus Sicht der Union wenig sinnvoll erscheinen lässt. Die öffentliche Debatte über eine komplette Rückführung könnte zudem mehr schaden als nutzen.
Die Frage nach dem Standort deutscher Goldreserven sorgt nicht zum ersten Mal für Kontroversen. Historisch gesehen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg große Teile des Goldes im Ausland – vor allem in New York, London und Paris – aufbewahrt, aus Gründen der Handlungsfähigkeit und Sicherheit während des Kalten Krieges. Seit 2013 hat Deutschland auf Drängen der Bundesbank bereits einen erheblichen Teil zurückgeführt, mittlerweile lagert rund die Hälfte der Reserven bei der Deutschen Bundesbank in Frankfurt, etwa ein Drittel in New York sowie ein kleinerer Teil in London. Das größte Argument gegen eine komplette Rückführung ist das Prinzip der internationalen Liquidität: In Krisenzeiten lassen sich Goldreserven im Ausland leichter zu Geld machen oder als Sicherheit für dringend benötigte Importgüter nutzen. Volkswirtschaftler und viele Politiker warnen zudem, dass die Forderung nach vollständiger Repatriierung ein Signal des Misstrauens gegenüber Partnern senden könnte – mit möglichen diplomatischen Nebenwirkungen. In aktuellen Debatten bleibt die Sorge präsent, dass politische Instrumentalisierung und Unsicherheit die öffentliche Diskussion bestimmen.