AfD-Führung beschwört Bereitschaft zur Regierungsbildung

Beim Abschluss ihres Bundesparteitags in Erfurt haben die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla die AfD deutlich auf künftige Regierungsverantwortung ausgerichtet. Laut Chrupalla müsse der Weg von der Opposition in die Regierungsämter führen.

05.07.26 14:33 Uhr | 5 mal gelesen

Chrupalla zeigte sich im Schlussspurt des Parteitags ungewöhnlich kämpferisch: Er betonte, die AfD sei entschlossen, nicht länger nur von der Seitenlinie zuzusehen. 'Wir sind bereit, dieses Land wieder zurechtzurücken', verkündete er nahezu martialisch – wobei er auch offen Neuwahlen im Bund ins Spiel brachte. Vier bis fünf Prozentpunkte mehr, das sei die knappe, aber ambitionierte Zielmarke. Bis 2029, so zumindest seine Vision, wolle die Partei ein ganzes Stück mitregieren. Alice Weidel wiederum lenkte den Fokus weg von fernen Prognosen hin zu konkreten Etappen: In den kommenden Monaten gelte die vollste Aufmerksamkeit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und der Berliner Parlamentswahl. 'Wir sind längst zu einer 30-Prozent-Partei gewachsen und die dominante Kraft im Osten', sagte sie – nicht ohne Stolz, aber dennoch im Klartext. Gleichzeitig machte sie aber keinen Hehl daraus, dass der Weg in die Regierung nur mit Geschlossenheit und strategischer Vorbereitung gelingen könne. Was auffällt: Der Ton der Parteispitze ist selbstbewusst, teils auch triumphierend – doch die unausgesprochene Unsicherheit darüber, ob der große Sprung in die Regierungsämter wirklich klappt, schwingt zwischen den Zeilen mit. Zuletzt gab es immer wieder Debatten innerhalb wie außerhalb der Partei über Koalitionsfähigkeit und Umgang mit anderen Parteien. Man spürt, es ist ein Spagat zwischen Angriffslust und vorsichtiger Erwartung.

Chrupalla und Weidel setzen am Parteitag deutliche Signale: Die AfD will den Wechsel von einer Oppositions- zu einer möglichen Regierungspartei schaffen – zumindest, wenn die Umfragewerte weiter zulegen. Der Fokus liegt zunächst auf den Landtagswahlen im Osten Deutschlands, wo die AfD ihre stärksten Bastionen sieht und sich als Volkspartei inszeniert. Gleichzeitig zeigen aktuelle Recherchen und Analysen, dass die Partei mit erheblichen Widerständen rechnen muss, sei es bei Partnerfindungen im Bund oder im Umgang mit Protesten und gesellschaftlicher Kritik. In den letzten Tagen wurde zudem besonders in der Berichterstattung von taz, FAZ und Spiegel wiederholt betont, dass trotz des steigenden Selbstbewusstseins der AfD viele demokratische Parteien jegliche Zusammenarbeit weiterhin klar ausschließen. In Sachsen-Anhalt etwa bleibt die Partei laut aktuellen Umfragen zwar stark, doch die Mobilisierung breiterer Wählerschichten stößt offenbar an gläserne Decken – zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen schließen Proteste gegen die AfD nicht aus. Auch sicherheitspolitisch und strategisch gibt es Debatten um die Positionierung der Partei, gerade mit Blick auf den wachsenden Druck durch Verfassungsschutzbeobachtungen.

Schlagwort aus diesem Artikel