Altersvorsorge und Start-ups: Reiches Plädoyer für frischen Wind in deutschen Pensionsfonds

Katherina Reiche (CDU), Bundeswirtschaftsministerin, fordert eine stärker zukunftsgewandte Ausrichtung der Altersvorsorge: Deutsche Pensionskassen sollen verstärkt in Start-ups investieren. Die Angst um die Sicherheit der Rente sei übertrieben, meint sie, und sieht Nachholbedarf gegenüber anderen Ländern.

heute 09:59 Uhr | 3 mal gelesen

Manchmal frage ich mich, warum wir Deutschen immer so zurückhaltend mit Chancen umgehen – besonders wenn es ums Geld der Zukunft, sprich: um unsere Rente geht. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat im Interview mit RTL und ntv die langweiligen Anlagegewohnheiten hiesiger Pensionsfonds ins Visier genommen. "Viele deutsche Pensionsfonds sind im Minus", räumt sie offen ein. Und blickt neidvoll auf das europäische Ausland: Dort erzielen Fonds – so ihre Worte – „acht bis zehn Prozent Rendite“, weil sie einen geringen Anteil, etwa zwei Prozent, mutig in Start-ups oder allgemein an den Kapitalmarkt stecken. Ob das in der Praxis so einfach ist? Zweifel sind erlaubt – aber Reiches Argument klingt nachvollziehbar: Ein Schritt ins Risiko für einen Teil der Altersvorsorge könne der Rente guttun. Sie wirft sogar einen Blick über den großen Teich und bemerkt, dass die USA gerade durch solche Investitionen viel für ihre Rentner tun. Die Idee dahinter: Gewinne aus jungen Unternehmen landen direkt bei denen, die sie später brauchen. Der unterkühlte Charme deutscher Geldanlagen ist dabei ein durchaus reales Problem. Wenn kluge, innovative Köpfe mit ihren frischen Ideen nach Amerika auswandern, nur weil es dort mehr Kapital gibt, läuft doch was schief. Reiches Ziel: Start-ups sollen hier gründen, wachsen und bleiben – und gleichzeitig die Rente kräftigen. Das klingt beinahe nach einer Win-Win-Situation, wenn denn das Risiko tragbar ist. Klar, völlig ohne Nebengeräusche geht so ein Wandel natürlich nicht.

Reiches Ansatz, den deutschen Pensionsfonds Investitionen in Start-ups ans Herz zu legen, ist Teil einer laufenden Debatte über die Zukunftsfähigkeit des Rentensystems. Durch mehr Beteiligungen an wachstumsstarken, innovativen Unternehmen möchte sie sowohl die Aussicht auf Rendite als auch die Attraktivität des Standorts Deutschland steigern. Gleichzeitig gibt es in der Fachwelt Bedenken: Risiken dürften nicht unterschätzt werden, denn Start-ups können auch scheitern. Erfahrung aus skandinavischen und US-amerikanischen Rentenfonds zeigt jedoch, dass bei breiter Diversifizierung und begrenztem Anteil am Portfolio die Chancen tatsächlich wachsen. Kritiker warnen dennoch vor zu viel Optimismus, insbesondere mit Blick auf die Sicherheit und Planbarkeit von Altersbezügen – gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten. Nach neuesten Berichten in Medien wie der „Süddeutschen“ und der „FAZ“ gibt es zudem politischen Widerstand gegen eine Aufweichung konservativer Anlagestrategien, aber auch Stimmen, die einen Modernisierungsschub als längst überfällig sehen.

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