Apotheken in Nordrhein: Vier Neueröffnungen, vierzehn Schließungen – Die Entwicklung reißt nicht ab

Zwischen Rhein und Ruhr bewegt sich wenig im Apothekenmarkt – wieder mehr Schließungen als Eröffnungen. Was die Reformen wirklich bringen und wo die Probleme tiefer gehen.

heute 05:46 Uhr | 2 mal gelesen

Man könnte meinen, in Großstädten sei die Versorgung mit Apotheken kein Problem – ein kurzer Gang um den Block, das übliche Klackern der automatischen Tür, vielleicht ein kurzer Plausch mit dem Apotheker. Aber wer genauer hinschaut, merkt: die Schließungswelle hat nicht nur die Dörfer erreicht, sondern auch die Metropolen, in denen jeder zusätzliche Kunde die Warteschlange noch ein Stück länger macht. 2026: Stand Juli, 1.886 Apotheken in Nordrhein – zehn weniger als zu Jahresbeginn. Vier mutige Neueröffnungen stehen vierzehn Geschäftsaufgaben gegenüber. Was in Excel-Zellen trocken klingt, trifft vor Ort durchaus einen Nerv. Präsident der Apothekerkammer, Dr. Armin Hoffmann, macht auf das Problem aufmerksam: Weniger Standorte bedeuten für die verbliebenen Teams mehr Arbeit und für Patienten manchmal Frust – nicht zuletzt auf dem Land. Klar, in Düsseldorf sind auch nach Schließungen noch Apotheken um die Ecke, aber das Gedränge nimmt zu, die Wartezeiten ebenso. Die Spirale dreht sich seit über 25 Jahren: Quartal für Quartal verschwinden mehr Apotheken, als neue aufmachen. Jetzt kommt mit dem Apothekenversorgungsweiterentwicklungsgesetz (bitte dreimal hintereinander sagen) frischer Wind in die Debatte. Mehr pharmazeutische Dienstleistungen, etwa erweiterte Impfungen oder andere niedrigschwellige Angebote, sollen Apotheken näher an den Alltag und die Bedarfe der Patientinnen und Patienten rücken. Hoffmann nennt das einen Schritt in die richtige Richtung. Und wirtschaftlich? Endlich eine Honorarerhöhung – von 8,35 auf 9,00 Euro pro Rezept ab Juli 2026, Anfang 2027 dann auf 9,50 Euro. Klingt nach Aufschwung, oder? Leider gibt’s auch hier die berühmte Fußnote: Ein neues Gesetz plant, dass Apotheken Teile dieses Aufschlags gleich wieder abgeben – zur Stabilisierung der Krankenkassen. Ein wenig wie ein Regen, der auf den heißen Stein fällt und sofort verdunstet. Hoffmann bleibt skeptisch – zusätzliche Belastungen dämpfen die Freude. Das große Ganze wird gern in all diesen Diskussionen übersehen: Das deutsche Gesundheitssystem ächzt schon heute unter Personalmangel und steigendem Bedarf, vor allem, weil die Bevölkerung altert. Apotheken sind mehr als Laden mit Medikamenten – sie fungieren oft als niedrigschwellige medizinische Beratungsstellen, besonders für diejenigen, die mit Ärzten oder dem Internet auf Kriegsfuß stehen. Aber für diese wichtige Rolle braucht es solide, verlässliche Strukturen. Sonst droht auch in Nordrhein: Irgendwann gibt’s statt der Apotheke auf der Ecke nur noch Versandhandel im Netz.

Unter dem Strich setzt sich im Kammerbezirk Nordrhein der Rückgang der Apotheken fort – ein Trend, der sich seit Jahrzehnten hält. Reformen wie das Apothekenversorgungsweiterentwicklungsgesetz bringen einige Verbesserungen, darunter neue Dienstleistungen und eine Honorarerhöhung, doch werden diese Effekte durch zusätzliche Belastungen wie höhere Abgaben an die Krankenkassen wieder geschmälert. Der wirtschaftliche Druck auf Apotheken bleibt hoch, die Unsicherheit wächst, insbesondere im ländlichen Raum drohen in Zukunft weitere Versorgungslücken. Laut aktuellen Berichten hat sich bundesweit die Zahl der Apotheken erneut verringert; Ursache sind steigende Kosten, Fachkräftemangel sowie unzureichende Anpassung der Honorare über viele Jahre hinweg. Während das im Juli 2026 beginnende neue Honorarsystem für Hoffnung sorgt, warnen Experten davor, dass finanzielle Entlastungen durch neue Pflichten zum Teil direkt aufgezehrt werden. Zusätzlich wird zunehmend diskutiert, wie Apotheken vor allem in Flächenregionen gestärkt werden können, um die wohnortnahe Arzneimittelversorgung auch perspektivisch zu sichern.

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