Omid Nouripour: Bundestag soll nicht zum Abnickverein werden

Omid Nouripour (Grüne) hat im Angesicht lauter werdender Vorwürfe betont, das deutsche Parlament arbeite langsam – aus gutem Grund.

heute 06:02 Uhr | 1 mal gelesen

Streit gehört nun mal zum Handwerk eines Parlaments – diese Ansicht vertritt Omid Nouripour, seines Zeichens Bundestagsvizepräsident und häufig ungeduldiger Beobachter politischer Prozesse. Im Podcast 'Machtmenschen' vom Focus meinte er sinngemäß: Wer erwartet, dass im Bundestag mal eben Gesetzesvorschläge durchgewunken werden, liegt völlig daneben. "Wir wägen ab, wir diskutieren, wir zerren auch mal am Text, und das geht eben nicht per Fingerschnippen." Was ihm besonders missfällt: Die Vorstellung, der Bundestag würde Gesetze lediglich „verwässern“. Änderungsanträge und Kompromisse – das sei doch der eigentliche Sinn parlamentarischer Arbeit. Er spricht sogar von einer Art Machtanspruch, der ganz bewusst wahrgenommen werden müsse. Schließlich lägen die guten Ideen nicht allein in der Schublade der Bundesregierung. Was bremst aber die Prozesse ganz konkret aus? Laut Nouripour ist es vor allem die Bürokratie, ein dichter Dschungel aus Regeln, Vorschriften und Zuständigkeiten auf nahezu allen Ebenen – Bund, Länder, Städte, EU. Eine Lösung? Er denkt an einen gemeinsamen Konvent, ein großes Treffen also, bei dem unterschiedlichste Interessengruppen endlich Nägel mit Köpfen machen.

Nouripour verteidigt das langsame Tempo parlamentarischer Entscheidungsfindung als demokratisch notwendig, während er die Kritik an sogenannten 'Verwässerungen' von Gesetzesvorhaben entschieden zurückweist. Er hebt hervor, dass die Komplexität und Vielschichtigkeit bürokratischer Strukturen – sowohl national als auch auf EU-Ebene und in Kommunen – ein zentrales Problem darstellt, das Reformen erschwert und Prozesse ausbremst. Die Idee eines parteiübergreifenden Konvents, um gemeinsam praktikable und schnellere Entscheidungsverfahren zu entwickeln, gewinnt zunehmend an Bedeutung, insbesondere vor dem Hintergrund steigender gesellschaftlicher und politischer Erwartungen an die Effizienz des Bundestags. Laut Recherchen der letzten zwei Tage in den überregionalen Nachrichtenportalen wird aktuell verstärkt über die Rolle des Parlaments bei der Gesetzgebung diskutiert, insbesondere vor dem Hintergrund von Uneinigkeit in der Ampelkoalition und der Suche nach effektiveren Lösungen gegen die Bürokratie.

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