Industrieverbände und Bund erwägen Allianz für Rohstoff-Einkäufe

Um sich beim globalen Rohstoffhandel besser zu positionieren, verhandeln führende deutsche Industrieverbände gemeinsam mit der Politik über eine strategische Einkaufsgemeinschaft.

heute 06:39 Uhr | 2 mal gelesen

Wie im Newsletter „Industrie und Handel“ bei Politico zu lesen war, nehmen deutsche Industrieverbände das Thema Rohstoffversorgung jetzt selbst in die Hand – kollektives Engagement statt Einzelkämpfern. Es ist ein bisschen, als würden sich die Großen der Branche an einen runden Tisch setzen, um gemeinsam nach Schätzen zu graben. Neben dem Wirtschaftsministerium (Staatssekretär Frank Wetzel hat dazu für Anfang Juli geladen) mischen unter anderem der VDA, ZVEI, VDMA, der Luft- und Raumfahrtverband BDLI und natürlich auch der BDI mit. Diskutiert wird die Schaffung eines großen Handelshauses, das durch das gebündelte Auftreten eine stärkere Verhandlungsposition einnehmen könnte. Warum? Der globale Markt für Seltene Erden, Lithium oder Kobalt ist rau, und einzelne Firmen – besonders kleinerer Größe – geraten da schnell ins Hintertreffen. Die Hoffnung: Durch eine Art „japanisches Modell“ mit finanzieller Unterstützung des Staates könnten Risiken verteilt und Investitionen in neue Bezugsquellen gestemmt werden, wie das Pendant JOGMEC es vormacht. Schließlich setzt China im Rohstoffsegment nicht nur die Preise, sondern bestimmt vielerorts schlicht das Spiel. Ein bisschen Unsicherheit bleibt aber – kann so ein Zusammenschluss am Ende tatsächlich für mehr Unabhängigkeit sorgen oder droht nur eine weitere Bürokratiestufe?

Es verdichten sich die Hinweise darauf, dass deutsche Industrieverbände gemeinsam mit der Bundesregierung entschlossen sind, die Rohstoffversorgung zukunftssicherer zu gestalten. Im Zentrum steht ein kooperatives Einkaufsmodell nach japanischem Vorbild, das nicht nur Know-how, sondern auch staatlich angeschobenes Risikokapital nutzt – und das wäre ein Novum für die hiesige Industriepolitik. Dies soll insbesondere die Abhängigkeit von chinesischen Lieferanten bei kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Lithium oder Graphit verringern. Erste Rückmeldungen aus Wirtschaft und Politik deuten an, dass mit einem solchen staatlich-industriellen Kraftakt mehr Verlässlichkeit in die Lieferketten käme – wobei Skepsis mitschwingt, ob die große Lösung im Alltagsgeschäft wirklich den gewünschten Effekt bringt. Aktuelle Entwicklungen aus Medienrecherchen unterstreichen, dass Industrie und Politik den Ernst der Lage immer stärker betonen: Die FAZ berichtet von zusätzlicher Nervosität in Berlin wegen möglicher Exportbeschränkungen aus China und der damit verbundenen Gefahr für deutsche Schlüsselindustrien. Die Süddeutsche beleuchtet, wie Unternehmen jetzt verstärkt nach alternativen Rohstoffquellen in Afrika und Südamerika suchen und dabei mit politischen wie ethischen Herausforderungen konfrontiert sind. Laut taz äußern Umweltverbände jedoch Bedenken, dass ein staatlich unterstütztes Rohstoffkonsortium ökologische Standards und die Langfristigkeit von Nachhaltigkeit aus dem Fokus verlieren könnte.

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