Wer in diesen Tagen ehrlich zu sich selbst ist, wird es kaum bestreiten: Der Gedanke, bis zum gesetzlichen Rentenalter voll im Beruf zu bleiben, erscheint vielen wie eine ferne Fata Morgana. Eine frische Auswertung des DGB-Index „Gute Arbeit“ untermauert dies mit Zahlen, die sogar eingefleischte Optimisten nachdenklich stimmen dürften. Rund vier von zehn Beschäftigten, so der Deutsche Gewerkschaftsbund, glauben nicht daran, ohne Abstriche ihren Job bis zur Rente zu stemmen. Erstaunlich hoch die Zahl in Berufen, bei denen der Körper randaliert und die Psyche nicht zimperlich angefasst wird: Vom Gerüstbauer über Altenpflege bis Erzieher – in diesen Sektoren trifft man auf beinahe flächendeckenden Zweifel.
DGB-Chefin Yasmin Fahimi nennt es einen „bitteren Befund“ und verlangt, dass Politik endlich auf diese Warnsignale hört. Krass wird’s im Detail: Fast Dreiviertel der Klempner und Pfleger halten ihre Arbeit bis zur Rente schlicht für unmöglich. Die Gründe sind wenig überraschend, sofern man schon mal auf einer Baustelle stand oder Schichtdienste im Krankenhaus miterlebt hat: körperliche Härte, permanenter Zeitdruck, Lärm, endlose Arbeitszeiten und kaum Chancen auf Erholung. Wer ständig unter Strom oder schwer schuftet, rechnet eben fest mit früherem Ausstieg.
Von den gut 28.000 Befragten geben gerade einmal 53 Prozent an, den Beruf bis zum offiziellen Rentenalter wirklich durchziehen zu können. Der Rest winkt ab – zu fordernd, zu zehrend, zu viel. Doch politisch wird derzeit heftig ums Rentenalter gestritten: Eine Kommission empfiehlt, dieses künftig an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Der Koalitionsausschuss pflichtet bei. Ob das Grundsatztheater an den Sorgen der Leute vorbeiläuft? Fahimi meint: Erst die Arbeitswelt verändern, dann über die Jahre reden. Sonst drohen ganze Generationen, ausgebrannt und gesundheitlich angeschlagen in die Altersarmut zu stolpern. Was für eine Perspektive…
Eine aktuelle Auswertung des DGB („Gute Arbeit“-Index) zeigt, dass es unter Deutschlands Beschäftigten erhebliche Zweifel daran gibt, bis zum gesetzlichen Rentenalter durchzuhalten. Besonders in schwer belastenden Berufen – Handwerk, Pflege, Bau, Erziehung – glaubt eine Mehrheit nicht an den langen Atem im Beruf, was vor allem an physischen und psychischen Belastungen, wie Zeitdruck, Lärm, langen Arbeitszeiten und mangelnder Gesundheitsförderung, liegt. Die Politik diskutiert derzeit, das Renteneintrittsalter zu erhöhen und langfristig an die steigende Lebenserwartung zu koppeln – Gewerkschaften fordern hingegen zunächst bessere Arbeitsbedingungen, da sie befürchten, dass andernfalls viele Menschen krank oder vorzeitig aus dem Job ausscheiden müssten.
Weitere Details aus aktuellen Quellen: Nach Recherchen wurde besonders in der Pflege und im Bau innerhalb der letzten 48 Stunden hitzig über drohenden Mitarbeitermangel und Frühverrentungen berichtet; laut FAZ spitzt sich der Fachkräftemangel gerade dort weiter zu (Quelle: FAZ). Die Süddeutsche schlüsselt auf, dass eine stetig wachsende Unzufriedenheit in belastenden Berufen eng mit hohen Krankenständen und innerer Kündigung verbunden ist (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Laut Die Zeit fordern Gewerkschaften einen politischen Fokuswechsel: statt höheres Rentenalter mehr Investitionen in gesunde Arbeitsplätze und flexible Ausstiegsmöglichkeiten (Quelle: Zeit).