Spürbare Ruhe nach gewaltigem Protest-Wochenende beim AfD-Parteitag in Erfurt

Nachdem am Samstag noch Abertausende in Erfurt lautstark gegen den AfD-Bundesparteitag demonstrierten, zeigt sich die Stadt am Sonntag wie leergefegt. Die Protestwelle scheint abgeebbt, doch ein paar kleine Aktionen stehen noch aus – während die Sicherheitsmaßnahmen weiterlaufen.

heute 10:05 Uhr | 1 mal gelesen

Sonntagvormittag in Erfurt: Wo am Tag zuvor noch bunte Plakate, laute Sprechchöre und ein unübersehbares Polizeiaufgebot das Bild bestimmten, kündigen jetzt beinahe ausschließlich parkende Einsatzwagen an, dass im Hintergrund noch etwas läuft. Die meiste Arbeit spielt sich außerhalb des Rampenlichts ab – Aufräumtrupps packen alles in schwarze Müllsäcke, wohin am Vortag noch Transparente im Wind flatterten. Komisch eigentlich, wie so ein Platz quasi über Nacht seinen Charakter wechseln kann. Das Sicherheitsdispositiv bleibt trotzdem angespannt: Besonders der Tramverkehr im Zentrum ruckelt nur auf Sparflamme, und auch rund um das Messegelände bleibt Kontrolle das Gebot der Stunde. Interessanterweise berichten Journalisten vor Ort, dass die Delegierten scheinbar staufrei und ohne nennenswerte Wartezeiten durchkommen – kein Vergleich zu Samstagmorgen. Ein paar Restveranstaltungen klingen noch nach: Neben einer kleinen Fahrraddemo des ADFC und einem gemütlichen Kaffeetreffen der „Omas gegen Rechts“ ist auf den Straßen wenig von dem brodelnden Protest übrig. Das steht in scharfem Gegensatz zu Samstag, als Zehntausende Menschen den Unmut gegen die AfD laut und sichtbar machten – obwohl Blockadeversuche des Kongresszentrums letztlich ins Leere liefen. Über die Maßen friedlich blieb es zwar nicht ganz: Hier und da kam es zum Einsatz von Pfefferspray, und ein Angriff auf mehrere Reporter trübt die Bilanz. Laut Polizei wurden rund 48 strafbare Handlungen sowie elf Ordnungswidrigkeiten während des Demo-Tages erfasst. Alles in allem aber ist der Ausnahmezustand erstmal vorbei.

Am Sonntagmorgen hat sich Erfurt nach den lautstarken und zahlreichen Anti-AfD-Protesten spürbar beruhigt. Die zentralen Plätze sind weitgehend leer, vereinzelt finden noch kleinere Aktionen statt, etwa von Radfahrern und der Initiative „Omas gegen Rechts“. Die Polizei hält ihre Schutzmaßnahmen weiterhin aufrecht, nachdem am Samstagzigtausende Demonstrierende versuchten, mit ihren Stimmen und teilweise mit Blockaden ein Zeichen gegen den AfD-Bundesparteitag zu setzen, wobei die große Mehrheit friedlich blieb – ausgenommen vereinzelter Zwischenfälle und Angriffe auf Medienvertreter. Neue Berichte zeigen, dass bundesweit die Protestkultur gegen die AfD wächst, jedoch variieren die Methoden und der Zulauf je nach Region. Zudem rücken nach dem Parteitag erneut Debatten um die Gefahren für Journalisten in den Fokus – immer häufiger sind Berichterstatter bei spezifisch rechten Veranstaltungen Zielscheibe von Übergriffen. Auffallend ist in diesem Kontext, dass viele Aktivisten bereits nach dem ersten Protesttag abgereist sind, was die Dynamik derartiger Mobilisierungen und deren mediale Wirkung beeinflussen dürfte.

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