Babypause: Die unterschätzte Kostenfalle beim ETF-Sparen

Wie gravierend wirkt sich eine längere Auszeit für die Familie eigentlich wirklich auf die private Geldanlage aus? Neue Berechnungen dröseln auf, dass selbst ein paar Jahre Pause den Unterschied zwischen solider Altersvorsorge und riesiger Rentenlücke machen können.

heute 08:06 Uhr | 2 mal gelesen

Finanzlücke durch Familienpausen

Wer hätte gedacht, dass schon ein kurzes Aussetzen beim Sparen massive Langzeitfolgen haben kann? Laut einer aktuellen Berechnung von Verivox kann eine Babypause die Vermögensbildung so stark ausbremsen, dass am Ende bis zu 222.000 Euro im ETF-Depot fehlen – das ist mehr als ein Mittelschichtgehalt in sechs Jahren.

Der Dominoeffekt der Unterbrechung

Fängt jemand mit 25 an, monatlich 300 Euro in einen ETF-Sparplan zu stecken und wird mit 30 Mutter (oder Vater) und reduziert ein Jahr lang die Beiträge – so weit, so alltäglich. Doch dabei bleiben nicht einfach gut 1.200 Euro an Einzahlungen auf der Strecke: Durch den entgangenen Renditezins wächst diese kleine Pause bis zum Renteneintritt im Modell zu erschreckenden 17.700 Euro an.

Je länger, desto bitterer

Bitter ist das besonders, wenn die familiäre Auszeit sich über mehrere Jahre zieht. Nach sechs Jahren Pause klafft eine Lücke von unglaublichen 222.000 Euro, und das, obwohl die Gesamteinzahlungen nur etwa 19.000 Euro geringer waren. Der Zinseszins, der stille Partner jeder Langstrecke beim Sparen, kommt hier besonders ins Spiel – oder, besser gesagt, abhanden.

Anspruch und Realität

Das Modell rechnet mit 7,5 Prozent Rendite pro Jahr. Klar – die echten Börsenjahre stottern oder brummen, und Steuern, Inflation, Zwischenausgaben werden in der simulierten Mischung glattgebügelt. Es bleibt eine Rechnung mit Variablen, quasi eine Skizze – aber eine, bei der jeder, der Verantwortung trägt, ins Grübeln kommen kann.

Abenteuer Familienfinanzen

Sparen während der Elternzeit, das klingt ganz pragmatisch, ist aber im echten Leben oft schwierig. Einkommen fehlt, Kinderwagen müssen angeschafft werden, irgendwann ist auch mal eine größere Wohnung nötig – da rutscht der Sparplan schon mal ganz nach hinten. Immerhin: Schon kleine regelmäßige Beiträge verhindern, dass aus der Pause ein Totalausfall wird.

Strukturelle Herausforderung

Letztlich steckt hinter der Modellrechnung ein gesellschaftliches Problem: Wenn Familienarbeit und Erwerbseinkommen ungleich verteilt werden – und das ist immer noch meistens der Fall –, bleiben Frauen oder Männer auf den finanziellen Folgen sitzen. Wer seine Altersvorsorge ernst nimmt, sollte möglichst breit aufgestellt sein: Neben ETFs auch gesetzliche und/oder betriebliche Vorsorge, und vielleicht sogar mal zusammenrechnen, was eine gleichmäßigere Aufteilung von Care-Arbeit und Arbeitseinkommen verändert.

Babypause bremst ETF-Sparen aus

Längere Erwerbspausen für Familie oder Elternzeit können über Jahrzehnte zu teils sechsstelligen Einbußen beim privaten ETF-Sparen führen, wie aktuelle Modellrechnungen eindrucksvoll zeigen.

Rendite und Sparbeginn bleiben entscheidend

Schon kurze Unterbrechungen summieren sich durch den Effekt des Zinseszinses massiv, während längere Auszeiten die Lücke zwischen Ideal und Realität dramatisch vergrößern.

Gesellschaftliche Relevanz

Neben finanziellen Aspekten wirft die Debatte auch soziale Fragen auf: Wer den Großteil der Familienarbeit übernimmt, trägt überproportional die Rentenrisiken. Überdies weisen Nachrichtenquellen wie die "Süddeutsche" und die "Zeit" darauf hin, dass die Bundesregierung derzeit über Maßnahmen gegen die Altersarmut von Müttern debattiert, etwa durch beitragsfreie Elternzeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung oder gezielte steuerliche Entlastungen. (Quelle: Süddeutsche, Zeit) Auch werden in der Gesellschaft vermehrt alternative Wege diskutiert, um die Vermögensbildung trotz Care-Arbeit gerechter zu gestalten, beispielsweise via Partnervereinbarungen, Automatisierung von Sparplänen oder betrieblicher Zusatzversorgung.

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