Irgendwie fühlt sich alles ein bisschen schief an, wenn Schüler auf dem Pausenhof rechte Parolen nachplappern – das hat Riedel nicht nur einmal gehört. Er beklagte im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass die klassische Medienlandschaft bei vielen Leuten in Sachsen-Anhalt kaum noch durchdringt. Stattdessen landen immer mehr in einer Echo-Kammer aus TikTok, Boulevard-Klatsch und fragwürdigen Portalen aus dem rechten Spektrum. Von fairer Diskussion oder gar Kompromissbereitschaft fehle oft jede Spur. 'Konsens als Schwäche, Kompromiss als Verrat', könnte man sarkastisch zusammenfassen. Riedel, selbst schon lange im Bildungsgeschäft, beobachtet einen beängstigenden Trend: Eltern, die Lehrkräfte anfeinden, weil diese gegen rechte Sprüche im Klassenzimmer vorgehen. Und das mitten in einer Zeit, in der Demokratie und politische Bildung gefragt wären wie selten. 'Wenn wir die Leute nur noch dort abholen, wo sie eh schon stehen, verlieren wir den Kontakt zum Diskurs', warnt er. Trübe Aussichten auch mit Blick auf die Landtagswahl, bei der die AfD in den Umfragen vorn liegt.
Jan Riedel warnt eindringlich vor einer gefährlichen Entfremdung breiter Bevölkerungsschichten von demokratischer Debatte und Medienvielfalt in Sachsen-Anhalt – nicht zuletzt auch ein Bildungsrisiko, wenn Kinder und Jugendliche sich zunehmend in ideologisch gefärbten Echokammern bewegen. Diese Entwicklung geht laut aktuellen Recherchen einher mit einem generellen Vertrauensverlust in klassische Medien und Institutionen, wie auch Studien von Stiftungen und Medienhäusern zeigen; ähnliche Warnungen äußern derzeit Bildungsexperten bundesweit. Neueste Berichte aus Sachsen-Anhalt und anderen ostdeutschen Bundesländern sprechen von einer wachsenden Polarisierung, besonders durch Social Media und rechte Netzwerke, wobei auch Sorgen über eine gezielte Einflussnahme auf die Jugend und steigenden Druck auf Lehrkräfte thematisiert werden.