Man staunt manchmal, wie viele ältere Menschen noch tagein, tagaus zur Arbeit gehen. Das Statistische Bundesamt hat kürzlich, mit Verweis auf den aktuellen Mikrozensus, verkündet: 14 Prozent der 65- bis 74-jährigen Rentner in Deutschland arbeiten nebenbei oder sogar in größerem Umfang – und das ist noch ein Prozentpunkt mehr als vor einem Jahr. Interessanterweise packen Männer in dieser Altersgruppe häufiger noch mit an (16 Prozent), während es bei den Frauen 11 Prozent sind.
Schaut man genauer hin, zeigt sich ein ziemlich klares Muster: Je älter die Rentner, desto öfter kehren sie dem Arbeitsmarkt den Rücken. Unter den 65- bis 66-Jährigen sind noch 19 Prozent beruflich unterwegs – mit knapp acht Prozent ist es bei den 73- und 74-Jährigen dann schon viel seltener. Bildungswege spielen übrigens auch eine große Rolle: Wer eine „höhere“ Ausbildung hinter sich hat, bleibt mit 18 Prozent öfter beruflich aktiv als Menschen mit mittlerer (12 Prozent) oder niedriger (10 Prozent) Bildung. Vielleicht fühlen sich Erstere beruflich einfach wohler, vielleicht gibt die Arbeit ihnen auch mehr – so eine eindeutige Antwort drängt sich nicht auf.
Rentner, die weiterarbeiten, sind meist angestellt (73 Prozent), etwa ein Viertel betätigt sich selbstständig. Fast zwei Drittel der angestellten Senioren beschränken sich auf Mini-Jobs: 65 Prozent verdienen im Monat höchstens 556 Euro oder jobben kurzzeitig über das Jahr verteilt. Auffällig ist das reduzierte Pensum – 40 Prozent arbeiten weniger als zehn Stunden die Woche, ein weiteres Viertel schafft noch zehn bis weniger als 20 Wochenstunden. Rund 13 Prozent der erwerbstätigen Rentner schuften jedoch mehr als 40 Stunden pro Woche, wobei Selbstständige besonders häufig diese langen Arbeitszeiten haben – viel häufiger als ihre angestellten Altersgenossen.
Die Entwicklung, dass immer mehr Menschen auch nach Renteneintritt weiterarbeiten, spiegelt verschiedene Faktoren wider: Einerseits spielt das finanzielle Plus eine Rolle, andererseits suchen viele Ältere soziale Kontakte und das Gefühl, gebraucht zu werden. Auch die wachsende Lebenserwartung sowie die Tatsache, dass viele Ruheständler gesünder alt werden, tragen dazu bei – schließlich fühlen sich viele mit 65 Jahren noch keinesfalls „alt“. Medien berichten immer wieder, dass der steigende Anteil berufstätiger Rentner sowohl Chancen als auch Herausforderungen birgt: Während sich der Arbeitsmarkt über die Erfahrungen und Flexibilität freut und Altersarmut etwas abgefedert werden kann, steht etwa das Thema Generationengerechtigkeit und faire Löhne im Raum. Interessanterweise handelt es sich bei den typischen Jobs oft um Tätigkeiten im Dienstleistungs- und sozialen Sektor oder um kleine selbstständige Arbeiten, die sich flexibel gestalten lassen. Neue Zahlen werden aktuell vielerorts politisch diskutiert, etwa im Zusammenhang mit Rentenreformen, Fachkräftemangel und Arbeitswelt im Wandel.