Börsch-Supan: Rentenniveau-Stopp nur für Geringverdiener sinnvoll

Axel Börsch-Supan, einer der profiliertesten Rentenforscher, schlägt vor, die Festschreibung des Rentenniveaus auf die unteren Einkommenshälften zu begrenzen.

heute 09:41 Uhr | 4 mal gelesen

Wenn man Börsch-Supan zuhört, bekommt man schnell das Gefühl, dass es beim Thema Rentenhöhe schon längst nicht mehr nur um Zahlen und Politik, sondern auch ums Prinzip geht. Der Ökonom, der regelmäßig im Auftrag verschiedener Regierungen unterwegs ist, hält die sogenannte Haltelinie – diese Garantie des Rentenniveaus bei mindestens 48 Prozent – für einen gewaltigen Kostenfaktor. In einem Interview mit dem 'Handelsblatt' sagt er ziemlich direkt, er würde diese Haltelinie am liebsten nur für jene Menschen stehen lassen, die im Einkommen im unteren Spektrum rangieren. Denn, und dieser Gedanke ist schlüssig, warum sollte man mit Milliarden Steuermitteln auch diejenigen absichern, die ohnehin kein Risiko laufen, im Alter arm zu werden? Das klingt logisch, schreckt aber den ein oder anderen: Reiche sollen in seinem Konzept keinen doppelten Boden bekommen – das entlastet die Haushalte und schützt die wirklich Bedürftigen. Spannend sind auch seine Einwände gegen die von der Rentenkommission ins Spiel gebrachte „Schwedenrente“, also die Idee, einen Staatsfonds nach nordeuropäischem Modell zu etablieren. Für Deutschland sei diese Lösung aus mehreren Gründen kaum tragbar, teilt er mit: zu groß, zu wenig traditionsbewusst, zu undurchsichtig – und am Ende zu teuer. Ihm schweben verpflichtende Betriebsrenten vor; immerhin hätten Dänemark, Großbritannien oder die Niederlande überzeugende Beispiele geliefert. Nicht zuletzt sei die Chance, dass betriebliche Altersvorsorge effizient läuft, größer, weil viele Unternehmen bereits heute einzahlen – also wäre die Mehrbelastung verkraftbar. Börsch-Supan gibt offen zu: Ein großes Land mit einer gewissen Skepsis gegenüber staatlicher Transparenz sollte eher auf Teamwork und Wettbewerb zwischen Fonds setzen als auf eine quasi-monopolistische Mammutorganisation.

Die Debatte um die Rentenreform bleibt hochaktuell: Börsch-Supan wirft die Frage auf, ob die teure Haltelinie tatsächlich für die gesamte Bevölkerung gerechtfertigt ist, oder ob gezielterer Schutz besser wäre. Er teilt das System in Gewinner und Verlierer und plädiert für eine maßvolle Neujustierung, die besonders die weniger gut verdienenden Rentner schützt. Auch das Modell einer kapitalgedeckten „Schwedenrente“ sieht er für Deutschland kritisch – stattdessen favorisiert er eine Stärkung der ohnehin verbreiteten Betriebsrente, weil diese erprobt und leichter zu steuern sei. Laut aktueller Presse wird im Bundestag weiter über finanzielle Folgen, Rentensicherung und den Ausbau privater oder betrieblicher Komponenten diskutiert. Zuletzt haben Diskussionen um Altersarmut, Beitragshöhen und Generationengerechtigkeit erneut Fahrt aufgenommen. Die Sorge, dass steigende Beiträge besonders junge Menschen belasten, taucht immer wieder auf. Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass Staaten mit stabilen Betriebsrentensystemen häufig bessere Altersvorsorge insgesamt gewährleisten.

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