Man könnte meinen, die Sorgenfalten der deutschen Gesundheitswirtschaft wären im Moment besonders tief – und tatsächlich: In letzter Zeit haben ja selbst große Player wie Eli Lilly oder Boehringer Ingelheim ihre Pläne zurückgeschraubt, oft mit Verweis auf die Politik in Berlin. Ganz anders klingt, was Benoit Creveau, Deutschlandchef des japanischen Pharmakonzerns Daiichi Sankyo, jüngst verkündete: "Ein Stopp des Ausbaus ist für uns schlicht kein Thema." Das kam so klar, dass es eigentlich keinerlei Zweifel mehr zulässt, und war nachzulesen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Natürlich, ganz ohne Ironie, sei das geplante Gesetz zur Reform der Krankenkassen nicht gerade ein Motivationsschub für Investoren – Creveau nennt das diplomatisch "enttäuschend". Aber dann kommt ein Perspektivwechsel: Für ihn zählt mehr, wie die Zusammenarbeit mit Forschung, Fachkräften und zuverlässigen Zulieferern klappt. Deutschland bleibt laut Creveau eben ein "Leitmarkt", trotz aller Querelen. Und vielleicht, das ist jetzt Spekulation, spielt auch Stolz auf die Größe der geplanten Investition eine Rolle: Eine Milliarde Euro für Pfaffenhofen – und das größte Werk außerhalb Japans. Dass Daiichi Sankyo als Nummer zwei der japanischen Arzneimittelhersteller auch noch mit rund 11,5 Milliarden Euro Jahresumsatz auftritt, rundet das Bild ab. Wer hätte gedacht, dass gerade ein japanischer Konzern in dieser Phase in Bayern aufs Gaspedal drückt?
Während andere internationale Pharmakonzerne sich mit Kritik an den gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen aus Deutschland teilweise zurückziehen, bleibt Daiichi Sankyo seinem milliardenschweren Ausbauprojekt in Pfaffenhofen treu. Die Kombination aus gut ausgebildeten Fachkräften, verlässlicher Infrastruktur und intensiven Forschungskooperationen wiegt für das japanische Unternehmen offenbar schwerer als die jüngst diskutierten gesetzlichen Veränderungen. Im Kontext gilt dies als starkes Signal für die Attraktivität deutscher Standorte im internationalen Vergleich, trotz aller politischen und regulatorischen Unsicherheiten. Laut aktuellen Recherchen setzen zudem andere Pharmakonzerne wie Roche und Bayer punktuell noch auf ihre deutschen Standorte, warnen jedoch vor möglichen Folgen durch die Gesundheitspolitik. Der Standortwettbewerb im Pharmasektor verschärft sich angesichts globaler Unsicherheiten spürbar. Interessanterweise nimmt die Debatte um Talente und Lieferketten weiter zu, wie mehrere aktuelle Branchenstatements nahelegen.