Deutsche Bahn zahlt 2025 Entschädigungen in Millionenhöhe – Rückgang gegenüber Vorjahr

Wegen zahlreicher Verspätungen im Fernverkehr musste die Deutsche Bahn im Jahr 2025 über 156 Millionen Euro an Entschädigungen auskehren – das teilte Michael Peterson, Vorstand für den Fernverkehr, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung mit.

heute 00:03 Uhr | 1 mal gelesen

Man staunt manchmal, wie teuer Pünktlichkeitsprobleme werden können: Die Bahn zahlte im vergangenen Jahr Summen aus, über die man vor wenigen Jahren noch den Kopf geschüttelt hätte. 156,1 Millionen Euro an Entschädigungen für verspätete Züge – das ist etwa dreimal so viel wie 2019, aber etwa 41 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Peterson, der Fernverkehrsvorstand, vermutet, dass das auch daran liegt, dass es 2025 keine großen Streiks gab – was ja schlicht für weniger Aufregung gesorgt hat. Doch die Bilanz leidet trotzdem. Medien zufolge zieht das Ergebnis der Sparte Fernverkehr weiterhin das Gesamtergebnis des Bahn-Konzerns nach unten. Baustellen, Störungen, Stillstände – „mehrwöchige Sperrungen schlagen bei uns oft mit Millionenverlusten zu Buche“, klagt Peterson. Zusätzlich kamen im letzten Jahr knapp 300 Millionen Euro mehr bei den Trassenpreisen zusammen, was durch geringere staatliche Trassenförderungen noch verschärft wurde. Erreicht wurde trotzdem eine deutliche Steigerung beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen – immerhin mehr als 100 Millionen Euro plus. Fast schon überraschend: Die Auslastung der Fernzüge sinkt weiter. Zum einen, weil auf manchen Strecken ICs und Regionalzüge so parallel laufen, dass das sogenannte Deutschlandticket (mit seinem günstigen Preis) der Bahn rund 15 Millionen Fernverkehrskunden abluchste. Im Durchschnitt waren die Züge 2025 zu nur 48 Prozent besetzt. Vor der Pandemie lag dieser Wert noch bei 56 Prozent – und dorthin möchte Peterson wieder zurück.

Die Deutsche Bahn hat die Summe der Entschädigungszahlungen für verspätete Fernzüge im Jahr 2025 zwar reduzieren können, dennoch bleibt das Niveau außergewöhnlich hoch – was vor allem an den strukturellen Problemen im Schienennetz und an zahlreichen Baustellen liegt. Der Fernverkehr ordnet sich weiterhin unter, auch weil durch attraktive Alternativen wie das Deutschlandticket weniger Reisende auf die teureren Fernzüge ausweichen – ein Effekt, der in der Branche durchaus umstritten ist. Gleichzeitig kämpft die Bahn mit explodierenden Kosten, insbesondere für Trassenpreise, während ausbleibende Förderungen weitere Einsparungen notwendig machen. Aus mehreren aktuellen Berichten wird außerdem deutlich, dass neben der wirtschaftlichen Belastung auch die Kundenbindung leidet – das Vertrauen in die Pünktlichkeit nimmt weiter ab. Neues aus den letzten 48 Stunden zeigt, dass die Bahn zudem Überlegungen anstellt, durch digitale Innovationen wie KI-gestützte Dispositionssysteme Verspätungen mittel- bis langfristig einzudämmen.

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