Deutsche Bahn schraubt an Arbeitszeiten für Fernverkehrs-Personal

Um den chronischen Verspätungen Herr zu werden, kürzt DB Fernverkehr seit Anfang März die Sollarbeitszeit des Zugpersonals um rund 30 Minuten pro Schicht.

heute 00:03 Uhr | 1 mal gelesen

Interessant: Bei besonders verspätungsanfälligen ICEs werden jetzt bis zu eineinhalb Stunden als Reserve für die Personalwechsel eingeplant – vorher war das deutlich knapper bemessen. Diese Neuregelung kommt vor allem den Eisenbahnerinnen und Eisenbahnern zugute, die seit Monaten unter ständig ver-rückenden Schichtplänen und der berüchtigten Verspätungslawine leiden. Kein Wunder, dass der Vorstand fast ein bisschen entschuldigend klingt: "Wir sehen sehr genau, wie belastend das geworden ist", so Michael Peterson in der SZ. Er betont, dass bereits 450 neue Arbeitskräfte 2023 eingestellt wurden – dieses Jahr sollen sogar 600 Neue helfen, damit die Verspätungen weniger ausarten. Peterson verweist aber genauso ehrlich auf die Grenzen: Die paar Prozentpunkte an Pünktlichkeitsgewinn gehen im Baustellenchaos fast wieder verloren. Ganz nebenbei hat das Management mit zu detailverliebten Anweisungen zu Sauberkeit und Ansagen für Unmut gesorgt: Manche fanden den Tonfall schlicht daneben. Das Geständnis kommt prompt: "Wir merken – Kommunikation kann es fast nicht zu viel geben." Ein beinahe unerwarteter Moment des Einräumens, der zeigt, wie angespannt die Lage in den Zügen wirklich ist.

Die Deutsche Bahn versucht mit einer Kombination aus Arbeitszeitreduzierung und mehr kulant geplantem Wechsel von Zugpersonal, das größte Alltagsproblem ihrer Fernverkehrsmitarbeiter, nämlich instabile Dienstpläne und permanente Überstunden durch Verspätungen, etwas zu lindern. Neben der Neueinstellung von Hunderten Kolleginnen und Kollegen gibt es aber weiterhin Frust – vor allem, wenn interne Anweisungen den Ton verfehlen und wenig auf Augenhöhe kommuniziert wird. Die Bahn macht langsam Fortschritte bei der Pünktlichkeit, doch Baustellen und Infrastrukturprobleme bringen weiterhin große Unsicherheiten in den Berufsalltag der Beschäftigten. Laut aktuellen Meldungen setzte die Bahn laut FAZ seit März konkrete Maßnahmen zur besseren Dienstplanstabilität um – insbesondere durch flexiblere Schichtübergaben und ein verstärktes Pufferzeiten-Management. Auf Spiegel.de wird berichtet, dass die DB angesichts häufiger Zugverspätungen weiter massiv investiert; auch der Fokus auf die Entlastung der Mitarbeiter scheint laut Management mittlerweile dringend geboten, um Kündigungen und Ausfälle vorzubeugen. Auf Zeit Online aktualisieren sich die Berichte regelmäßig; ein Schwerpunkt ist die Stimmung im Betriebsrat und die Frage, inwiefern das neue Modell die Personalfluktuation tatsächlich abbremst.

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