Integrationskurse ausgebremst: 72.000 Kursplätze warten auf Teilnehmende – Streit um Zulassungspolitik

Angesichts des abrupten Zulassungsstopps für Integrationskurse sieht die Linksfraktion im Bundestag das gesamte Kurssystem in Gefahr. Während Kursanbieter bundesweit Zehntausende offene Plätze melden, herrscht Unverständnis und Verunsicherung.

heute 00:02 Uhr | 3 mal gelesen

Stellen wir uns vor: 72.000 leere Stühle in Integrationskursen quer durch Deutschland – bereitgestellt, aber plötzlich ohne Menschen, die ihnen Leben einhauchen könnten. Laut einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Parlamentsanfrage der Abgeordneten Clara Bünger von den Linken – veröffentlicht vom Redaktionsnetzwerk Deutschland – bleibt nach einer Verordnung aus dem Innern vielen Zugewanderten der Zugang zu Sprach- und Integrationskursen verwehrt. Vergangenes Jahr hatten etwa 307.000 Menschen erstmals einen Platz in solchen Kursen bekommen; aber mit dem aktuellen Stop dürfen in diesem Jahr nur noch 55 Prozent der Interessierten mitmachen. 2026 trauen sich die Zahlen kaum sagen: Gerade einmal 589 (!) neue Zulassungen wurden bis Ende Februar registriert, und das in ganz Deutschland und quer durch alle Gruppen – von ukrainischen Geflohenen bis zu Arbeitsmigrant*innen aus der EU. Merkwürdig dabei: Die Integrationsbeauftragte der Regierung, Natalie Pawlik (SPD), erfuhr offenbar selbst erst im Nachhinein davon – laut Ministerium fiel die Entscheidung intern und direkt durch Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), ohne externe Beteiligung von Fachleuten oder Beauftragten. Das sorgt insbesondere bei den Linken für Wut. Clara Bünger, die sich parlamentarisch mit Flucht und Migration befasst, spricht von einer "integrationspolitischen Katastrophe". Ihr Vorwurf: Die Maßnahme treibe Menschen in Untätigkeit, erschwere jede Arbeitsaufnahme und drohe, die Infrastruktur bewährter Sprachkurse zu zerschlagen. Die Regierung erziele mit kurzfristigen Sparmaßnahmen am Ende immense Folgekosten – für Integration, Beschäftigung und sozialen Zusammenhalt. Und nicht nur das: Auch Integrationsbeauftragte Pawlik protestierte lautstark gegen das Vorgehen, das einen über 20 Jahre aufgebauten Konsens und Erfahrungsschatz faktisch aussetze. Dass sie nicht einmal eingebunden wurde, sei – so Bünger – eine regelrechte Brüskierung. Der Vorwurf ans Innenministerium klingt scharf: "Abschottung ohne Sinn und Verstand, die Integration aktiv behindert." Offene Fragen bleiben: Wie soll Integration klappen, wenn Sprachkurse versperrt werden? Können kurzfristige Sparzwänge tatsächlich schwerwiegende gesellschaftliche Folgen rechtfertigen? Die Debatte spitzt sich zu – und draußen in den Klassenzimmern sitzen leere Stühle.

Der Zulassungsstopp für freiwillige Integrationskurse sorgt für weitreichende Kritik im Bundestag, vor allem von Seiten der Linken und der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung. Der Stopp bedeutet nicht nur, dass derzeit 72.000 Kursplätze leer bleiben werden; langfristig drohen auch massive Nachteile bei der Integration von Migrantinnen und Migranten, angefangen bei schwierigeren Arbeitsmarktchancen bis hin zum Verlust einer zentralen Infrastruktur der Sprachförderung. Neuere Artikel berichten zudem, dass bundesweit protestierende Bildungsträger, Wohlfahrtsverbände und Migrantenorganisationen deutlich machen, wie weitgehend die Folgen der Kürzungen sind – manche warnen schon vor einem "roll-back" der gesamten Integrationspolitik, während das Innenministerium unterdessen betont, die Maßnahme sei haushälterisch notwendig gewesen. Inzwischen fordern unter anderem auch der Deutsche Volkshochschul-Verband und Pro Asyl ein Umsteuern, während aus den Ampel-Fraktionen niedrige Einnahmen bei den Haushaltsverhandlungen als Hauptgrund genannt werden. Auch Lehrkräfte äußern sich zunehmend frustriert über die Unsicherheit ihrer Beschäftigung und den ausbleibenden Arbeitsmöglichkeiten. Zahlreiche Städte und Bundesländer melden zudem, dass die Wartelisten für Integrationskurse stetig ansteigen – gerade jetzt, wo Deutschkenntnisse für so viele Neuankommende essenziell sind.

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