Wie es die ‚Welt‘ am Mittwoch mit Verweis auf Nato-Insider zitiert, fanden in den letzten Tagen rege Beratungen unter den europäischen Mitgliedsstaaten statt. Es ging um die berühmte Frage: Wer steuert eigentlich was zum neuen 'Nato Force Model' bei? Dieses Modell teilt grob gesagt die Verfügbarkeitszeiten von Truppen auf – sofort, mittelfristig, langfristig. Ein Knackpunkt dabei: Wie schnell können welche Einheiten (auf dem Land, zur See, in der Luft) in Stellung gebracht werden? Im Hintergrund, sagt man, liefen offenbar intensive Gespräche und Verhandlungen, wie die durch den Abzug der US-Militärkräfte auftretenden Kapazitätslücken gestopft werden können. Schaut man genauer hin, sind erstaunlich viele Zusagen bereits gemacht worden: Deutschland will – so heißt es aus gut informierten Ecken – zwei Fregatten der F125-Klasse, mehrere Eurofighter (eine hohe einstellige Zahl – also irgendwo zwischen sechs und neun, nehme ich an), zwei Seeaufklärer sowie mehrere der prominenten Drohnen vom Typ Heron TP zur Verfügung stellen. Wäre zumindest ein Schritt nach vorne, wenn das alles klappt. Durch diese Zusage ließen sich die Lücken, die insbesondere durch das Fehlen der US-Flugzeugträger entstehen, zumindest ein Stück weit schließen: Frankreichs Flugzeugträger und die Begleitschiffe von Italien und Deutschland könnten zum Beispiel kompensatorisch einspringen. Interessant: Sowohl das deutsche Verteidigungsministerium als auch Nato-Offizielle gaben sich auf Nachfrage (vielleicht wenig überraschend) verschlossen – keine Details zu Mengen oder speziellen Waffensystemen.
Deutschland geht mit neuem Selbstbewusstsein in die aktuelle Nato-Debatte und bietet nach Recherchen der 'Welt' mehrere moderne Militäreinheiten an, um die nach US-Truppenabzug bestehenden Lücken im Bündnis zu schließen. Dieser Vorstoß passt ins Bild einer wachsenden militärischen Eigenverantwortung Europas, das sich – erkennbar an den letzten Gipfelvorbereitungen – Schritt für Schritt aus dem langen Schatten der amerikanischen Führungsrolle bewegt. Interessant ist in diesem Zusammenhang aus aktuellen Medienrecherchen, dass besonders die neuen deutschen Drohnen Heron TP als Symbol wandelnder Technik und neuer Operationsmöglichkeiten gesehen werden: Hier verschieben sich nicht nur die politischen, sondern auch die technologischen Gewichte. Darüber hinaus gibt es innerhalb des Bündnisses augenscheinlich weiterhin eine Debatte über die langfristige Tragfähigkeit solcher „schnellen“ Zusagen, da viele Mitgliedsstaaten (inklusive Deutschland) zur Zeit Schwierigkeiten haben, Rüstungsprojekte tatsächlich in angekündigtem Umfang und Zeitplan umzusetzen – siehe etwa Lieferengpässe oder Personalmangel bei der Bundeswehr.