Kaum Regen am Oberrhein, die Sonne tut ihr Übriges, und nun stehen die Binnenschiffer vor einem Szenario, das sie nur zu gut kennen: An wichtigen Messstellen wie in Kaub sinken die Pegelstände derart, dass – so der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt – wohl bald weniger als zehn Zentimeter angezeigt werden. 'Da schieben Sie keinen Lastkahn mehr durch', sagt Jens Schwanen vom Verband fast lakonisch, zugleich aber auch bedrückt. An solchen Tagen liegt dann plötzlich ein Teil des Rhein-Transportsystems lahm: Die Schiffe fahren zwar noch zwischen den großen ARA-Häfen und Nordrhein-Westfalen – weiter südlich funktioniert das aber mit großen Schiffen schlichtweg nicht mehr.
Kurios, oder eher: tragisch. Denn eigentlich verbindet der Rhein wie eine Lebensader Industrie, Häfen, Städte. Nun wird dieser Strom für die Wirtschaft zur Stolperfalle, in zwei unwillkürliche Abschnitte zerschnitten. Selbst Tourismus-Schiffe bleiben auf manchen Strecken stecken.
Der BDB jedenfalls freut sich, dass das Verkehrsministerium reagiert: Am Montag wird gemeinsam mit Staatssekretärin Claudia Stutz beraten, wie die logistischen Ausfälle durch Straße und Schiene aufgefangen werden könnten. Baustellen auf wichtigen Wasserwegen zu verschieben – das klingt einfacher, als es in der Praxis ist. Beim Rhein-Herne-Kanal immerhin klappt es: Eine geplante Schleusensperrung wurde vorerst gestoppt, um eine Ausweichroute offen zu halten.
Ob das reicht, fragt man sich. Und man ertappt sich dabei, wie man denkt: Es regnet eindeutig zu selten.
Die extreme Trockenheit führt dazu, dass der Rhein in Teilen für größere Schiffe de facto unpassierbar wird. Das belastet den Gütertransport erheblich, zwingt Tourismus- und Frachtschiffe zum Stillstand und setzt logistische Ketten unter Druck. Der Binnenschifffahrtsverband fordert schnelle Ausweichstrategien über Straße und Schiene sowie einen Baustopp an kritischen Wasserstraßen, während Experten gleichzeitig betonen, dass wiederkehrende Dürreperioden den Klimawandel als Ursache vermuten lassen. Neuere Berichte bestätigen, dass die aktuellen niedrigen Pegel den bekannten Trends folgen und zeigen, wie empfindlich die Infrastruktur reagiert. Hinzu kommt, dass auch Politik und Industrie schnelle, pragmatische Lösungen fordern – nicht zuletzt, weil große Chemieunternehmen und Kraftwerke auf die Binnenschifffahrt angewiesen sind. Derweil warnen Meteorologen: Entspannung ist in nächster Zeit nicht in Sicht, die Trockenperioden sind eher auf dem Vormarsch.