Ehemaliger Diplomat Stein fordert Sanktionen gegen Netanjahu-Regierung

Shimon Stein, früherer israelischer Botschafter in Deutschland, geht ungewöhnlich klar auf Distanz zur aktuellen israelischen Regierung und ruft die Bundesregierung zu Sanktionen auf. Besonders kritisiert er Netanjahus Blockadehaltung gegenüber einer Zwei-Staaten-Lösung und fordert Importverbote für Waren aus dem Westjordanland.

heute 13:10 Uhr | 2 mal gelesen

In einem Gespräch mit der Zeit zeigte sich Shimon Stein deutlich: Für ihn ist es längst an der Zeit, dass Deutschland und andere europäische Staaten eine härtere Gangart gegenüber der Regierung Netanjahu einschlagen. Die wiederholte Weigerung, sich auf eine Zwei-Staaten-Lösung einzulassen, hält er für fatal. Auf die Frage nach Sanktionen gegen israelische Regierungsmitglieder antwortete Stein mit einem entschlossenen 'Ja', fügte jedoch nachdenklich hinzu, dass solche Maßnahmen in Deutschland historisch heikel seien. Sie könnten mit der NS-Parole 'Kauft nicht bei Juden' assoziiert werden – eine Assoziation, von der Stein weiß, wie gefährlich sie ist, aber die Notwendigkeit politischer Konsequenzen sieht er trotzdem. Im Kontext der aktuellen Annäherung zwischen dem Iran und den USA geht Stein weiter: Netanjahus militärische Ziele seien komplett gescheitert. Statt israelische Sicherheit zu stärken, habe Netanjahu das Land zunehmend in eine politische Isolation geführt und von der Sichtweise Washingtons abhängig gemacht – die Folgen dieser Strategie hält Stein für nicht absehbar, ja geradezu dramatisch. Stein, der selbst sieben Jahre lang die israelischen Interessen in Berlin vertreten hat, blickt heute mit Sorge auf die Entwicklungen in der israelischen Politik.

Shimon Stein, ehemaliger israelischer Botschafter in Berlin, übte in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit scharfe Kritik an der israelischen Regierung unter Benjamin Netanjahu. Stein forderte die Bundesregierung auf, Sanktionen gegen einzelne Minister und ein Importverbot für Waren aus dem Westjordanland zu prüfen, betonte jedoch die Problematik der historischen Verantwortung Deutschlands. Im Kontext der geopolitischen Entwicklungen – insbesondere des jüngsten Abkommens zwischen dem Iran und den USA – bezeichnete er Netanjahus Politik als gescheitert, Israels internationale Isolation als verschärft und warnte vor unkalkulierbaren Folgen. Ergänzend dazu berichten mehrere Medien in den letzten Tagen verstärkt über die wachsende Isolation Israels auf internationaler Ebene, die innenpolitischen Proteste gegen Netanjahu und neue diplomatische Spannungen nach der Anerkennung eines Palästinenserstaates durch einige europäische Länder. Auch die Auswirkungen von Sanktionen oder Importverboten auf die israelische Wirtschaft – speziell im Agrarsektor – und mögliche Gegenreaktionen werden diskutiert.

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