Eigentlich ist es kaum zu fassen, wie heftig Evers gerade gegen die Berliner Linke austeilt. Ihm zufolge blenden die Genoss:innen das Thema Islamismus bewusst aus – eine Haltung, die in seinen Worten schon fast sträflich wirkt. Menschenfeindlichkeit kommt nicht immer nur von ultrarechten Kreisen, mahnt Evers, sondern zunehmend auch aus dem islamistischen Spektrum. Und während sich in Berlin die Debatten oft im Kreis drehen, sieht er in der Linken so etwas wie eine 'Gefahr im System', weil sie Antisemitismus und Polizistenfeindlichkeit in den eigenen Reihen duldet.
Was ihn besonders wurmt: Die Linke bekäme es nicht geschafft, Islamismus klar als Problem zu markieren oder gar anzugehen. Für Evers ein klarer Fall von fehlendem Mut – manche Dinge müsse man eben beim Namen nennen, sonst würde alles nur noch schlimmer. "Islamismus beginnt nicht erst mit der Tat selbst", wirft er ein. Da brodelt es lange vorher, irgendwo in Hinterzimmern, manchmal in den Wohnzimmern, da wo Hass und Ausgrenzung Einzug halten, vielleicht sogar schleichend. Er fordert: Wer islamistische Gefahr entschärfen will, muss genau dort ansetzen – nicht erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Interessanterweise hatten die Neuköllner Linken zuletzt eher rechte und konservative Kräfte für die Ereignisse verantwortlich gemacht – damit läuft das politische Ping-Pong wohl in die nächste Runde.
Das aktuelle Thema der Kritik an der Berliner Linken wegen ihrer Haltung zu Islamismus und dem Anschlag beim CSD zieht weitere Kreise: Über die Auseinandersetzung zwischen CDU und Linken hinaus wird in Berliner Politik und Zivilgesellschaft intensiv darüber diskutiert, wie (und ob) das Problem des politischen Islamismus überhaupt klar benannt und bekämpft wird. Inzwischen fordern verschiedene Politiker unabhängig von Evers parteiübergreifende Strategien zur Prävention und mehr Mut zur offenen Debatte über islamistische Radikalisierung – insbesondere vor dem Hintergrund häufiger Übergriffe gegen queere Menschen in Berlin. Währenddessen verweisen einige linke Stimmen darauf, dass rechte und konservative Akteure gezielt für ein aufgeheiztes Klima sorgen, in dem Gewalt gegen Minderheiten gedeiht – die Polarisierung nimmt damit neue Fahrt auf.