Ferda Ataman: Regierung schleppt bei Transparenz von Gehältern – und riskiert Millionenstrafen

Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman kritisiert die Bundesregierung scharf: Beim Thema Entgelttransparenz gehe seit Jahren wenig bis gar nichts voran – trotz klarer Ansagen und Fristen der EU.

heute 11:50 Uhr | 2 mal gelesen

Seit beinahe drei Jahren, so Ferda Ataman gegenüber der „Rheinischen Post“, lasse die deutsche Bundesregierung eine wichtige Frist der EU beinahe fahrlässig verstreichen: Spätestens zum 7. Juni hätte ein neuer Rechtsrahmen zur Gehaltstransparenz stehen müssen. Doch bisher? Schweigen und Verzögerung. Auf dem Spiel stehen nicht nur empfindliche EU-Strafen, sondern auch Deutschlands ohnehin schon schlechter Ruf, was faire Bezahlung angeht. Es gibt kaum ein europäisches Land, in dem Frauen beim Thema Lohn ganz wortwörtlich so das Nachsehen haben wie hierzulande. Ataman findet dazu deutliche Worte: "Es schadet der Wirtschaft insgesamt, wenn Frauen für denselben Job weniger verdienen." Interessanterweise – und das geht gern im Streit verloren – sehen das auch viele Unternehmen so. Laut Ataman beurteilen fast 60 Prozent der Befragten die EU-Richtlinie zur Gehaltstransparenz positiv. Offenbar wünschen sich viele Arbeitgeber mehr Klarheit und einheitliche Standards – auch, um ihre Personalpolitik gezielter zu steuern. Deutschland steht damit vor der ziemlich ironischen Situation, dass Regierung und Unternehmen bei der Umsetzung eigentlich auf einer Linie sein könnten. Trotzdem verzögert sich alles weiter – warum eigentlich? Das bleibt ein wenig im Dunkeln, aber man ahnt: Bürokratie, politische Prioritäten, vielleicht auch ein gut gemeintes Stück Trägheit. Die zentrale Frage bleibt jedenfalls: Wie lange schaut Berlin noch zu, statt gerechte Gehaltsstrukturen entschlossen anzugehen?

Mit ihrer Kritik spricht Ataman einen wunden Punkt an: Laut Angaben des Statistischen Bundesamts betrug der Gender Pay Gap in Deutschland im Jahr 2023 auf Basis der unbereinigten Werte rund 18 Prozent. Die EU-Kommission hatte Deutschland bereits 2023 gemahnt und auf Anpassung des Entgelttransparenzgesetzes gedrängt, damit die neue EU-Richtlinie umgesetzt werden kann. Während manche Koalitionspolitiker Reformbereitschaft signalisieren, blockiert insbesondere das Wirtschaftsministerium offenbar konkrete Gesetzesinitiativen. Unternehmen sehen laut aktuellen Umfragen die größere Offenheit beim Thema Gehalt auch als Mittel, um Transparenz und Gerechtigkeit im eigenen Betrieb zu fördern – ein Thema, das bei jüngeren Arbeitnehmern deutlich an Gewicht gewonnen hat. Laut Medienrecherchen könnten bei weiterer Untätigkeit sogar EU-Strafzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe im Raum stehen. Neueste Analysen in deutschen Leitmedien zeigen den politischen Handlungsdruck und die gesellschaftliche Debatte, die nicht zuletzt durch internationale Vergleiche immer dringlicher wird.

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