„Dass das Thema Infarktvorsorge endlich politisch größer gedacht wird, ist längst überfällig“, betont Uwe Janssens, der für die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin spricht. Janssens, der reichlich Erfahrung aus dem Klinikalltag mitbringt, fordert ziemlich eindringlich, Kinder in Sachen Gesundheit stärker und vor allem frühzeitig fit zu machen. Er plädiert dafür, Gesundheitskompetenz nicht als Wahlpflicht, sondern als festes Schulfach ab der Grundschule zu etablieren. Kaum zu unterschätzen: Bereits Grundschüler könnten verstehen, wie sich gesunde Ernährung oder Bewegung auf Herz und Gefäße auswirken. Dass sozioökonomischer Status und Bildungsgrad bislang den Zugang zu Gesundheitswissen bestimmen, sei ein großes Problem – die Schere geht auseinander, sagt Janssens. Praktisch könnte mehr Aufklärung bewirken, dass weniger Erwachsene im späteren Leben an vermeidbaren Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Wer weiß, warum Rauchen schadet oder wie der Blutdruck beeinflusst werden kann, hat laut Studien deutlich geringere Risiken für Infarkte oder Schlaganfälle – und die Zahlen, um wie viel sich das Risiko bei guter Vorsorge senken ließe, sind beeindruckend.
Führende Intensivmediziner in Deutschland machen sich stark dafür, dass schon Grundschüler Gesundheitskompetenz als festes Unterrichtsfach erwerben dürfen. Hintergrund ist die geplante Gesetzgebung zur Infarktvorsorge, die verhindern soll, dass Herzerkrankungen überhaupt erst entstehen. Untersuchungen belegen: Wer früh über Ernährung, Bewegung, Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Rauchen Bescheid weiß und präventiv agiert, kann sein Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall massiv senken. Studien der WHO und deutscher Gesundheitsorganisationen warnen zudem, dass gerade Kinder aus Haushalten mit geringem Bildungsniveau seltener Zugang zu Gesundheitswissen und Prävention haben. International gibt es bereits Vorbilder wie Finnland oder Kanada, wo Gesundheitserziehung seit Jahren Teil des Unterrichts ist – mit messbar positiven Effekten auf die Bevölkerungs- und Kinder-Gesundheit. Auch das Bundesministerium für Gesundheit diskutiert in aktuellen Papieren, wie Prävention durch Bildung systematischer werden kann.