Im Frankfurter Kunstverein läuft ab dem 19. Juni 2026 eine Ausstellung, die sich ungewöhnlich gründlich und persönlich der grönländischen Realität nähert: „Grönland – Not For Sale – Kalaallit Nunaat Forever“ ist die erste Schau dieser Art in Deutschland.
Grönland, oft nur als Terrain für politische Planspiele betrachtet, besteht aus mehr als diesen Projektionen: Knapp 57.000 Menschen, die im Umbruch zwischen dänischer Verwaltung und wachsender Eigenständigkeit ihren Platz suchen. Aus 32 Videoporträts sprechen sie selbst – manchmal verhalten, manchmal ungefiltert offen. Großformatige Filmsequenzen zeigen nicht nur eingefrorene Schönheit, sondern auch vermeintlich leere Weite als Bühne für neue Realitäten.
Erstmals wird in Deutschland das Werk von Julie Edel Hardenberg – Künstlerin, Autorin, Aktivistin – präsentiert. Ihre Installationen und Texte graben nach dem, was von außen wie Folklore wirkt, aber tief im kollektiven Gedächtnis und im Körper verankert ist: Machtstrukturen, Unsicherheit, Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Hardenbergs Arbeiten führen vor Augen, dass Entkolonialisierung sich nicht in Verträgen oder Karten vollzieht, sondern in Herzen und Alltagsritualen.
„Zwischen Politik und Alltag, zwischen Gletscherlicht und Boomtown Nuuk“, so beschreibt Franziska Nori, Direktorin des Frankfurter Kunstvereins, die Ausstellung. „Mit Mut, Neugier, manchmal auch Schmerz machen die Künstler:innen die Gegensätze erfahrbar – und öffnen unser eigenes Verständnis für Grönland neu.“
Gleich am Eingang bekommen Besucher:innen Kopfhörer: Man wandert durch Klangkulissen, Filme, Interviews, taucht ein in wechselnde Stimmungen zwischen kleinen Siedlungen und neuer Urbanität. Klima, wirtschaftliche Abhängigkeiten, Identitätssuche: Die Themen sind viel größer als Grönland selbst – und doch erschreckend konkret.
Die Ausstellung läuft bis 11. Oktober 2026, entstand gemeinsam mit dem ALPS Alpinen Museum in Bern und der Dänischen Botschaft Berlin. Die Kurator:innen: Beat Hächler (Alpines Museum), Gian Suhner (Film), Franziska Nori (Kunstverein Frankfurt).
Presse: Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt/Main. Tel: +49 (0)69 219314-30. Mail: presse@fkv.de, weitere Infos auf fkv.de
Die Ausstellung „Grönland – Not For Sale – Kalaallit Nunaat Forever“ bietet einen seltenen Einblick in die aktuellen Herausforderungen und Hoffnungen Grönlands: Während internationale Mächte das Land geopolitisch in den Blick nehmen, kämpfen die Bewohner:innen um kulturelle Selbstbestimmung und suchen nach einer neuen nationalen Identität im Schatten der Vergangenheit. Shown werden nicht nur künstlerische Positionen wie die von Julie Hardenberg, sondern auch Stimmen aus der Bevölkerung, die zwischen alten kolonialen Strukturen, neuen Verlockungen globaler Märkte und den spürbaren Folgen des Klimawandels ihren Alltag meistern. Es entsteht das Bild eines Landes, in dem äußere Einflüsse und innere Transformationen untrennbar verwoben sind – und das zugleich exemplarisch für viele eigenständigkeitssuchende Gesellschaften der Arktis steht. Ergänzend dazu ist Grönland momentan besonders gefragt, weil sich durch die fortschreitende Eisschmelze immer mehr Ressourcen und neue Schifffahrtsrouten zugänglich machen, was das geopolitische Interesse der USA, EU, Russlands und Chinas verstärkt (siehe jüngste Debatten etwa um NATO-Truppenpräsenz und Investitionen in Rohstoffe). Allerdings steht die Frage der Unabhängigkeit von Dänemark – aktuell immer wieder im grönländischen Parlament wie in Meinungsumfragen ein Thema – ebenso im Zentrum wie Angst vor neuer Ausbeutung und Überfremdung: Viele Menschen fürchten eine Wiederholung kolonialer Muster unter anderen Vorzeichen (Handelsverträge, Bergbauprojekte, strategische Militärbasen). Trotz des regen Interesses bleiben Stimmen aus Grönland oft unterrepräsentiert, was Projekte wie diese Ausstellung besonders bedeutend macht. Weitere aktuelle Artikel zeigen außerdem, dass die Diskussionen über wirtschaftliche Chancen (insbesondere Rohstoffausbeutung) zentrale Konfliktfelder zwischen nachhaltigem Naturschutz, kulturellem Selbstverständnis und internationalem Druck bilden (vgl. auch die letzten Beschlüsse der grönländischen Regierung und die stärkere Beteiligung an Arktisforen).