Grüne Partei sucht nach neuer Perspektive für Männlichkeit

Die Grünen nehmen sich vor, das Bild von Männlichkeit in ihren Reihen und darüber hinaus umzudenken – weg vom bloßen Ablehnen alter Klischees, hin zu einer konstruktiven Definition dessen, was Mannsein heute bedeuten könnte.

05.07.26 09:02 Uhr | 6 mal gelesen

Hinter den Kulissen der Grünen tut sich gerade eine spannende Debatte auf: Eine Handvoll prominenter Parteimitglieder – zufälligerweise deutlich mehr Männer als Frauen – hat sich zusammengefunden, um ein recht kritisches Manifest über das Männerbild der Partei zu veröffentlichen. Beim Lesen musste ich schmunzeln, denn wer hätte gedacht, dass ausgerechnet hier mit eigenen Stereotypen so knallhart ins Gericht gegangen wird? Der bisherige Fokus, so die Gruppe, habe stark darauf gelegen, welche Rollen Männer besser nicht einnehmen sollten: Nicht herrisch, nicht gewaltsam, nicht einengend. Doch darüber, wie ein positives, fortschrittliches Männerbild aussehen kann, war anscheinend erstaunlich wenig die Rede. Das Manifest geht sogar so weit zu behaupten, zwischen engagiertem Feminismus und männlicher Identität sei ein "Vakuum" entstanden, das nun Gefahr läuft, von alten, rückläufigen Vorstellungen gefüllt zu werden. Der Ruf nach einem neuen, stärkenden Verständnis von Männlichkeit sei überfällig. Auch Partei-Chef Felix Banaszak springt auf diesen Zug auf und äußert Verständnis für weibliche Ungeduld, mahnt aber, dass Männer nicht einfach kollektiv zum Problem erklärt werden dürfen. Ähnlich sieht es Anton Hofreiter – er wünscht sich, dass Männer nicht pauschal abgewertet werden, sondern auch mal Gehör finden – unabhängig von der Frage, ob das, was sie sagen, immer ins Bild passt. Kurzum: Die Grünen sind auf der Suche nach einer zeitgemäßen, offenen Männlichkeit, die weder Schablonentum noch Verzicht auf Reflexion bedeutet. Kurios, spannend, vielleicht ein bisschen revolutionär – und vor allem längst überfällig?

Die Grüne Partei macht sich gerade interne Gedanken darüber, wie Männer sich in einer von Gleichstellung geprägten Bewegung besser aufgehoben fühlen können. Im Zentrum steht die Frage, wie sich ein positives Männerbild jenseits alter Rollenmuster entwickeln lässt, ohne dabei in neue Klischees zu verfallen. Zeitgleich berichten Medien darüber, dass genau diese Diskussion nötig ist: In den letzten Wochen wurden die Grünen in vielen Artikeln als Partei „der Frauen und urbanen Akademiker“ dargestellt – tatsächlich zeigen Umfragen, dass sich Männer in solchen Milieus weniger angesprochen fühlen. Interessant ist, dass auch andere Parteien inzwischen erkennen, wie wichtig ein differenziertes Verständnis von Männlichkeit für die politische Teilhabe ist. Auf taz.de und spiegel.de wird immer wieder auf einen gesellschaftlichen Backlash gegen den Feminismus hingewiesen, was wiederum den Druck auf progressivere Parteien erhöht, „Mannsein“ nicht einfach als Problem abzustempeln. Gleichzeitig nehmen soziale Medien die Grünen für ihre vermeintliche „Männerfeindlichkeit“ gerne ins Visier – das unterstreicht, warum das Thema so brisant geworden ist.

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