Pistorius bringt Versetzungswelle für Litauen-Brigade ins Spiel

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) geht davon aus, dass im Zuge des Bundeswehr-Aufbaus in Litauen etliche Soldaten zwangsweise dorthin versetzt werden müssen, obwohl die Mehrheit der Posten mit Freiwilligen besetzt werden kann.

05.07.26 08:00 Uhr | 3 mal gelesen

Weniger als 1.000 Soldaten – das sei die Größenordnung, so Pistorius gegenüber der 'Bild am Sonntag', wenn es um mögliche Verpflichtungen für den Auslandsposten in Litauen geht. Bisher habe man den Großteil der Positionen ohne größere Probleme mit Freiwilligen abdecken können. Kritisch werde es jedoch insbesondere bei einfachen Dienstgraden und bestimmten Spezialisten – dort könnten zum Schluss Zwangsversetzungen unvermeidbar sein. Im selben Atemzug äußerte sich Pistorius zur Lage in der Ukraine und bewertete die aktuellen Chancen im Abwehrkampf gegen Russland als so gut wie noch nie. Die tatsächlichen Geländegewinne auf beiden Seiten seien zwar marginal, doch die russischen Verluste enorm. Besonders erwähnte er die zunehmende Fähigkeit der Ukraine, russische Infrastruktur direkt anzugreifen, was Moskaus Nachschub erschwert. Für den unmittelbar bevorstehenden NATO-Gipfel kündigte Pistorius einen beträchtlichen deutschen Beitrag für das neue Hilfspaket zugunsten der Ukraine an, stellte aber klar: Eine Taurus-Lieferung stehe weiterhin nicht zur Debatte. In Zukunft, so der Minister, müsse die Bundeswehr insgesamt zwar flexibler und schlagkräftiger werden – Aufträge an die Rüstungsindustrie dauern trotz Fortschritten weiterhin zu lange.

Im Kontext der geplanten dauerhaften Stationierung einer 4.800-köpfigen deutschen Brigade in Litauen rechnet Verteidigungsminister Pistorius konkret mit weniger als 1.000 verpflichtenden Versetzungen, vorrangig bei niedrigeren Dienstgraden und Fachleuten. Dabei betont er, dass die meisten Stellen bislang freiwillig besetzt werden konnten, verweist aber zugleich auf die Belastung und organisatorischen Hürden. Außerdem hebt Pistorius hervor, wie sehr sich die Situation im Ukraine-Krieg zugunsten Kiews entwickelt, sieht aber bei der Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie weiterhin großen Aufholbedarf. Neuere Medienberichte bestätigen die Herausforderung: Ein taz-Artikel beschreibt die Sorgen der Soldatenfamilien wegen möglicher Versetzungen nach Litauen, was familiäre und soziale Unsicherheiten hervorruft. Auf spiegel.de werden die schleppenden Fortschritte der Rüstungsaufträge thematisiert – deutsche Industriepartner stehen unter enormem Erwartungen, können diese aber aufgrund Materialengpässen und Bürokratie kaum erfüllen. Aus Sicht von Experten, wie sie auf sueddeutsche.de erläutert wird, bestehen große Zweifel, ob die organisatorischen Maßnahmen der Bundesregierung tatsächlich reichen, um kurzfristig auf die NATO-Zusagen reagieren zu können.

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