Handel drängt auf umfassende Sonntagsöffnungen: Alte Regeln auf dem Prüfstand
Wer sonntags ein Hemd verkauft, riskiert ein Bußgeld – zumindest, solange die gesetzlichen Vorgaben nicht gelockert werden. Nachdem die Bundesregierung angekündigt hat, ausgerechnet für Bäckereien und Konditoreien die Ladenöffnungszeiten an Sonntagen zu verlängern, fordern Handelsverbände nun die komplette Freigabe. Der Ruf: Schluss mit der halben Sache, mehr Entscheidungsfreiheit für Händler – und Kunden.
06.07.26 00:02 Uhr | 2 mal gelesen
Was im Internet möglich ist, bleibt im realen Laden verboten: Wer sonntags Kleidung über die Ladentheke reicht, macht sich derzeit immer noch strafbar. Besonders in Zeiten, in denen Online-Shops rund um die Uhr geöffnet haben, erscheint dieses Verbot vielen als Anachronismus – gewissermaßen ein Relikt aus einer anderen Ära. René Glaser, Chef des Sächsischen Handelsverbands, bringt es auf den Punkt: 'Die aktuellen Regelungen setzen immer zwingend einen besonderen Grund für eine Sonntagsöffnung voraus.' Was aber als 'besonderer Grund' gilt, ist laut Glaser oft so schwammig, dass Kommunen selbst kaum sichere Genehmigungen erteilen können. Da ist Frust fast vorprogrammiert. Die Forderung? Eine klare Gesetzesänderung, die den Sonntag nicht mehr tabuisiert. Ein Kernpunkt: Der neue Referentenentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium, verabschiedet im Koalitionsausschuss am 1. Juli, sieht Veränderungen zum 1. Januar 2027 vor. Allerdings steht das Gesetz noch auf unsicheren Füßen – der Bundestag muss erst zustimmen. So bleiben viele Händler noch in der Warteschleife.
Handelsverbände kritisieren die strikten Einschränkungen bei Sonntagsöffnungen, vor allem im Kontext des 24/7-Onlinehandels, und fordern eine viel weitergehende Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten auch für den klassischen Einzelhandel. Als Grund führen sie nicht nur das Freizeitinteresse der Kundschaft, sondern auch die Attraktivität und Belebung der Innenstädte an, die zunehmend unter Kundenrückgang und Leerstand leiden. Die Bundesregierung plant zunächst nur Lockerungen für Bäckereien und Konditoreien ab 2027 – eine Entscheidung, die im Parlament noch nicht final bestätigt ist. Nach aktueller Recherche sind viele Details zu den Erweiterungen der Sonntagsöffnung weiterhin umstritten: Städte und Gemeinden fürchten zusätzliche Belastungen, Gewerkschaften warnen vor einer Ausweitung der Sonntagsarbeit und verweisen auf den grundgesetzlichen Schutz des Sonntags (FAZ, Zeit). Gleichzeitig zeigen einige Städte im Ausland, dass flexible Regelungen positive Effekte auf Stadtzentren haben können. Mehrfach wurde auch thematisiert, dass die Gesetzgebung in vielen Bundesländern sehr unterschiedlich gehandhabt wird – ein Flickenteppich, der die Rechtssicherheit erschwert. Diskussionen in Politik und Gesellschaft dazu reißen nicht ab; sozialkulturelle und wirtschaftliche Interessen prallen weiterhin aufeinander.