Hüther: Merz sollte Chinas Handelspraktiken offen kritisieren

Vor seinem Besuch in China fordert Wirtschaftsexperte Michael Hüther, dass Friedrich Merz klare Worte zu unfairen Handelsmethoden wählen müsse.

heute 06:26 Uhr | 3 mal gelesen

Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, findet deutliche Worte vor den Gesprächen von Friedrich Merz mit der chinesischen Führung: Merz solle unbedingt ansprechen, dass chinesische Wettbewerbsverzerrungen nicht ohne Reaktion bleiben können. 'Wer unfaire Mittel einsetzt, darf nicht darauf hoffen, dass dies auf Dauer ohne Folgen bleibt', meint Hüther in einem Interview mit der NOZ. Es gehe darum, Stärke zu zeigen, aber nicht zu eskalieren. Merz trifft heute den chinesischen Premierminister Li Qiang, und steht zudem ein Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping an. Laut Hüther sollte Merz sich nicht einschüchtern lassen und als Vertreter einer wirtschaftlich starken Nation auftreten. Beide Länder – Deutschland und China – hätten von der Globalisierung profitiert, müssen sich aber jetzt mit riesigen Herausforderungen herumschlagen. Neben den bekannten demographischen Problemen Chinas sieht Hüther auch Überkapazitäten, insbesondere bei E-Autos und Schwierigkeiten im Immobiliensektor. Was den Technologiewettlauf angeht, bleibt Hüther gelassen: 'Ein Land kann nicht in allen Bereichen führend werden.' Seiner Ansicht nach müsse Europa vielmehr an seiner Innovationskraft arbeiten – etwa indem mehr Forschungserkenntnisse wirtschaftlich nutzbar gemacht werden. Für Hüther ist das keine ausweglose Lage, sondern eher ein Ansporn zur Erneuerung.

Im Rahmen von Friedrich Merz' Chinareise betont Michael Hüther, dass es jetzt auf klare Worte zu unfairen Handelspraktiken ankommt und ein Abdriften in einen Technologierückstand nur dann droht, wenn Europa seine eigenen Innovationspotenziale brachliegen lässt. Im Zentrum der Diskussion stehen die teils undurchsichtigen Industriesubventionen, Handelsbarrieren und der massive Ausbau chinesischer Produktionskapazitäten (beispielsweise Elektroautos), die in Europa immer stärker als Bedrohung empfunden werden. Beim Besuch von Merz sind daher nicht nur zwischenstaatliche Beziehungen, sondern auch europäische Interessen im Spiel. Gerade in den letzten 48 Stunden wurde beispielsweise auf der Seite der Süddeutschen Zeitung erneut diskutiert, wie der Subventionsdruck aus China die europäische Wirtschaft herausfordert und welche Gegenmaßnahmen die EU plant. Die Debatte um die zunehmende Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen und Zukunftstechnologien taucht auch auf Spiegel.de und bei der FAZ auf, wo Experten sich einig sind, dass nur ein starker europäischer Forschungs- und Innovationsverbund nachhaltig gegen Chinas Vormarsch hilft. Überraschenderweise weisen einige Autoren darauf hin, dass gegenwärtige Beschränkungen der Wissenschaftsfreiheit in den USA auch Chancen für europäische Forschungsstandorte bieten könnten.

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