Ilkay Gündogan springt Leroy Sané zur Seite

Ilkay Gündogan, einst Spielführer der deutschen Nationalmannschaft, nimmt seinen Kollegen Leroy Sané nach vehementer öffentlicher Kritik in Schutz.

heute 13:37 Uhr | 3 mal gelesen

Manchmal frage ich mich ehrlich, wie Spieler wie Leroy Sané eigentlich überhaupt noch einen klaren Gedanken fassen können, wenn gefühlt das halbe Land mit dem Finger auf sie zeigt. Gündogan schreibt in seiner aktuellen "Spiegel"-Kolumne: "Ich habe das Gefühl, viele verstehen Leroy einfach nicht, da wird ihm oft Unrecht getan." Nach dem fulminanten 7:1 der DFB-Elf gegen Curacao gab’s mal wieder das übliche Murmeln – ob Sané nicht doch besser auf der Bank säße... Die Diskussionen kennen vermutlich viele Profis, aber bei Sané wirkt’s fast schon pathologisch: Er polarisiert und wird zum Projektionsobjekt. Gündogan kennt das noch aus erster Hand – und auch, wie mental zermürbend ständiger Argwohn wirken kann. "Gefühlt warten alle nur auf einen Patzer – wie soll da jemand das zeigen können, was ihn eigentlich auszeichnet?", fragt Gündogan. Für ihn braucht Sané spielerischen Freiraum, auch mal zu scheitern, ohne dass sofort Häme folgt. Sonst lähmt Angst – und Fußball besteht eben nicht nur aus fehlerfreien Pässen. Gündogan verzieht dabei auch kritisch das Gesicht, wenn er sich daran erinnert, wie Löw Sané 2018 kurz vor der WM aussortierte. Ein Schnitt, der, Zitat: "wirklich wehgetan hat". Vom rein sportlichen überzeugt ihn das bis heute nicht. Beide kennen sich schon von Manchester City, inzwischen stehen sie wieder gemeinsam auf dem Feld, jetzt in Istanbul. Gündogan – 82 Länderspiele, Titeljäger, Trainergrößen wie Guardiola oder Klopp als Mentoren – ist quasi das wandelnde DFB-Gedächtnis. Dass er Sané jetzt öffentlich unterstützt, wirkt fast wie eine kleine Rebellion gegen den deutschen Fußball-Mainstream. Persönlich finde ich, Gündogan bringt da einen Punkt auf, den viele alte Männer am Stammtisch gern übersehen.

Gündogan nimmt seinen Teamkameraden Sané in Schutz, da dieser immer wieder ins Fadenkreuz der Kritiker gerät. Besonders hebt er hervor, wie die ständige Erwartung von Fehlern und die Angst vor öffentlicher Schlachtung einen Kreativspieler wie Sané lähmen kann. Hintergründig kritisiert Gündogan zudem, wie personenbezogen und stigmatisierend in der Fußballszene oftmals geurteilt wird – und plädiert für mehr Freiheit, auch mal etwas falsch machen zu dürfen. Neueste Recherchen zeigen, dass die Debatte um psychische Gesundheit im Profifußball zuletzt an Fahrt aufgenommen hat: Immer mehr prominente Akteure, wie beispielsweise Joshua Kimmich oder Timo Werner, sprechen offen über Leistungsdruck und mentale Belastung. Nach dem unglücklichen EM-Auftakt hat der DFB angekündigt, das Umfeld für Nationalspieler psychologisch zu stärken und auch individuelle Beratung auszubauen. Währenddessen berichten verschiedene Medien davon, dass die Debatte um Sané stellvertretend für eine grundsätzliche Spaltung zwischen Fans, Medien und Mannschaft steht – wo Empathie für soziale und psychologische Aspekte bislang zu kurz kommt.

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