Angenommen, es stünde plötzlich eine Bundestagswahl an – die Union würde aktuell mit gerade einmal 21 Prozent dastehen. Ein Prozentpunkt verloren, jetzt auf dem schwächsten Stand seit fast drei Jahren. Die AfD hingegen, unübersehbar im Aufschwung, läge laut 'Deutschlandtrend' von Infratest bei 28 Prozent; ein Rekordwert.
SPD (12 Prozent), Grüne (15 Prozent), Linke (11 Prozent) und FDP (4 Prozent) treten seit dem Vormonat auf der Stelle. Die kleinen Parteien – zusammengenommen immerhin 9 Prozent – bleiben im Schatten der Großen fast unsichtbar.
Die Debatte um den Umgang mit der AfD sorgt für Reibungen: 27 Prozent – hauptsächlich aus dem AfD-Lager – befürworten eine Zusammenarbeit, ein gutes Drittel (32 Prozent) würde je nach Sachlage entscheiden. Doch mit 37 Prozent bleibt der eiserne Vorbehalt gegen eine Kooperation mit der AfD am größten, vor allem bei Grünen-, Linke- und SPD-Anhängern. Auch bei der Union gibt's eine breite Spaltung: 7 Prozent offen für Zusammenarbeit, knapp die Hälfte will je nach Fall entscheiden, der Rest bleibt ablehnend.
Die Unzufriedenheit mit der Regierungsarbeit ist eindrucksvoll konstant – 13 Prozent zeigen sich (sehr) zufrieden, der Rest, also satte 85 Prozent, bleibt kritisch. Bundeskanzler Friedrich Merz kann sich minimal steigern: 14 Prozent Zufriedenheit, aber auch das bleibt ein Tiefpunkt in der Geschichte des Trends. Verteidigungsminister Pistorius steht erneut am besten da (53 Prozent Zustimmung); andere Kabinettsmitglieder wie Wadephul, Dobrindt, Klingbeil, Bas und Reiche bewegen sich auf deutlich niedrigeren Zufriedenheitswerten, allesamt mit klaren Mehrheiten unzufriedener Befragter.
Und bei den Oppositionsführern? Leichte Zugewinne bei Tino Chrupalla (AfD), während Reichinnek (Linke) und Haßelmann (Grüne) im Vergleich nur wenig aus dem Schatten treten. Übrigens: Die Umfrage stützt sich auf die Stimmen von 1.297 ab 18 Jahren, erhoben zwischen 3. und 5. August. Nach all den Zahlen bleibt ein Eindruck haften: Die politische Stimmung in Deutschland ist, höflich formuliert, „angespannt“.
Der aktuelle Infratest-Deutschlandtrend dokumentiert einen neuen Stimmungsumschwung in der deutschen Wählerschaft: Die AfD überholt mit einem Rekordhoch (28 Prozent) alle anderen Parteien, während die Union ihren Tiefstand seit 2021 erreicht. Die SPD stagniert bei 12 Prozent, die Grünen verharren auf 15 Prozent und die FDP droht mit vier Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Die zur Zusammenarbeit mit der AfD bereiten Anteile nehmen zu, aber besonders bei Anhängern progressiver Parteien dominiert weiterhin die Ablehnung. Auffällig ist die enorme Unzufriedenheit mit der Regierungsarbeit (85 Prozent); nur Boris Pistorius genießt im Kabinett Mehrheitssympathien. Neuere Recherchen zeigen zudem, dass in Umfragen auch die AfD in den ostdeutschen Bundesländern besonders stark zulegt, oft als Protest gegen etablierte Parteien wie auch als Reaktion auf die aktuelle Wirtschafts- und Zuwanderungslage gesehen. Weiterhin sehen Beobachter etwa bei taz, FAZ oder Süddeutscher Zeitung wachsenden Druck auf die traditionelle Regierungskoalition – durch die Schwäche der Union und die polarisierende Stärke der AfD werden künftige Mehrheiten noch unberechenbarer.