Klare Mehrheit gegen Krankschreibungs-Pflicht ab erstem Tag

Eine große Mehrheit der Deutschen sieht eine Attestpflicht schon am ersten Krankheitstag kritisch – gerade Jüngere lehnen den Vorschlag der Regierung deutlich ab.

heute 00:03 Uhr | 3 mal gelesen

Eine aktuelle Forsa-Umfrage, ausgeführt für den 'Stern' und RTL, liefert ein ziemlich eindeutiges Bild: Über die Hälfte der Befragten – nämlich 55 Prozent – sprechen sich dagegen aus, bei jeder noch so kleinen Erkrankung direkt zum Arzt zu müssen, um dem Arbeitgeber ein Attest zu bringen. 44 Prozent finden die Attestpflicht grundsätzlich jedoch richtig, die Entscheidung scheint also trotz Mehrheit recht kontrovers, mit einem Prozent Unentschlossener. Besonders spannend: Während Ältere die Maßnahme zum Teil befürworten, sagen die Jüngeren unter 45 klar Nein – vielleicht, weil sie um ihre Flexibilität fürchten oder die Arztpraxis lieber meiden. Interessant ist auch das politische Gefälle: CDU/CSU-Anhänger befürworten die Verschärfung mehrheitlich, während Grüne und Linke ziemlich klar dagegen sind. Die SPD-Anhängerschaft ist – wie so oft – gespalten. Hintergrund der Debatte ist ein Vorschlag aus dem zuletzt heiß diskutierten Maßnahmenpaket von Regierungskoalition und Regierung, das Arbeit, Rente und Steuern neu regeln will. Ziel sei, die Zahl der Fehltage auf ein Niveau zu senken, das zumindest in den Augen der Verantwortlichen international konkurrenzfähig wäre: 15 bis 20 Krankentage pro Arbeitnehmer pro Jahr gelten ihnen offenbar schon als zu viel. Zumal die Möglichkeit zur telefonischen Krankmeldung – für viele ein Gewinn an Alltagstauglichkeit – auch wieder einkassiert werden soll. Vor allem Ärzteverbände laufen dagegen Sturm: Schon jetzt seien Wartesäle überfüllt, die Belastungsgrenze des Personals – Zitat – „schon fast überschritten“ und die Zahl der Krankheitstage liege eher an der verbesserten digitalen Erfassung als am Verhalten der Beschäftigten.

Die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag stößt in Deutschland überwiegend auf Ablehnung, besonders bei jüngeren Beschäftigten und Anhängern von Grünen und Linken. Trotz der Ankündigung, so Krankheitstage zu reduzieren, gibt es gerade von Ärzten scharfe Kritik – sie weisen auf überforderte Praxen und ohnehin präzisere Statistiken durch die neue digitale Erfassung hin. Laut aktuellen Medien wie taz, Süddeutsche oder Zeit wird das Thema gesellschaftlich kontrovers diskutiert; neuerdings fordern verschiedene Interessenverbände differenziertere Lösungen, die sowohl Missbrauch vorbeugen als auch das Gesundheitssystem nicht zusätzlich belasten. Auch wird zunehmend thematisiert, dass psychische Erkrankungen heute offener gemeldet werden, was zu einer scheinbaren Steigerung der Fehlzeiten beiträgt – und die Forderung nach mehr Prävention sowie besserer Arbeitskultur lauter werden lässt. In mehreren Kommentaren betonen Experten außerdem, dass das Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Mittelpunkt stehen müsse, statt Generalverdacht und Kontrolle weiter auszubauen.

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