Streit um offene Läden am Sonntag: Ploß plädiert für mehr Flexibilität

Christoph Ploß, Bundeskoordinator für Tourismus (CDU), spricht sich angesichts der Debatte um Sonntagsöffnungen für lockerere Regelungen zu Ladenöffnungszeiten aus. Damit springt er dem Handelsverband Deutschland zur Seite – und stellt tourismuspolitische Argumente ins Rampenlicht.

heute 01:02 Uhr | 1 mal gelesen

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Zeit bei diesem Thema ein bisschen stehengeblieben ist – als wären wir noch im Zeitalter der Schaufensterläden ohne Internet. So sieht es jedenfalls Christoph Ploß, der als Tourismuskoordinator der Bundesregierung nicht nur den spröden Charme deutscher Fußgängerzonen, sondern auch die Allgegenwärtigkeit von Online-Shops kennt. Seiner Ansicht nach hängt die Attraktivität Deutschlands für Besucher eben nicht nur von Landschaft und Kultur, sondern auch von lebendigen Geschäftsstraßen voller Leben am Sonntag ab. "Wer heutzutage als Einzelhändler nicht permanent offen ist, droht im Wettbewerb den Kürzeren zu ziehen", erklärt Ploß und meint damit klar: Mehr Flexibilität bei den Öffnungszeiten, bitte! – so wie es der HDE fordert. Aber natürlich gibt’s da auch Widerworte. Vom Sozialverband Deutschland (SoVD) kommt wuchtige Kritik: Vorstand Michaela Engelmeier hält am sogenannten Sonntagsschutz fest. Für sie ist der Sonntag schlicht mehr als ein Extraumsatz – er bedeutet Pause, Familie, Stallgeruch des Zusammenhalts in der Gesellschaft. Klar, wenn Krankenhäuser oder Busse sonntags funktionieren müssen, ist das nötig, doch ihrer Überzeugung nach ist Verkauf ein anderes Kapitel. Beschäftigte sollten nicht die einzigen sein, die sich anpassen müssen – da schwingt ein gewisser Argwohn gegen endlose Flexibilitätsforderungen mit. Interessant ist, dass die neu angefachte Diskussion nicht aus heiterem Himmel kam: Union und SPD hatten erst kürzlich für Bäckereien, Cafés und Bibliotheken etwas gelockert. Prompt nutzte der HDE die Gelegenheit für weitergehende Forderungen. Doch: Solange Sonn- und Feiertage vom Grundgesetz und dem Bundesverfassungsgericht als schützenswert gesehen werden, bleibt das letzte Wort oft der Verfassungsdebatte vorbehalten. Ich frage mich: Ist am Ende der Sonntag wirklich ein "heiliges" Gut – oder können ein paar offene Geschäfte die Gesellschaft tatsächlich so sehr unterminieren? So einfach ist das irgendwie nie.

Die Debatte um die Sonntagsöffnung kreist wie eh und je um den Spagat zwischen wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlichem Wert des Ruhetags. Christoph Ploß legt den Schwerpunkt auf ein modernes, touristisch attraktives Deutschland, das sich den veränderten Einkaufsgewohnheiten anpasst, während Sozialverbände wie der SoVD einen Grenzstein beim Schutz von Arbeitnehmerrechten und Wochenendbesinnlichkeit ziehen. Neu hinzugekommen ist, dass sich die Ampelkoalition in Berlin gerade gezielte Öffnungsausnahmen für einzelne Branchen wie Bäckereien und Bibliotheken leistet – was offenbar direkte Begehrlichkeiten nach noch weitergehenden Lockerungen geweckt hat. Nach meiner ergänzenden Recherche sind die Fronten aber keineswegs so verhärtet, wie es scheinen mag: Laut aktuellen Medienberichten gibt es Versuche einzelner Städte, mit Sonderregelungen für Einkaufszonen mehr Besucher in die Stadtzentren zu locken, wobei allerdings auch kleine Händler über Personalmangel klagen und gar nicht sicher sind, ob sie längere Öffnungszeiten überhaupt stemmen könnten. In einigen Bundesländern wird zudem über Pilotprojekte diskutiert, die temporäre Sonntagsöffnungen genehmigen und wissenschaftlich begleiten, um konkrete Wirkungen auf Umsatz und Arbeitsbedingungen zu messen. Parallel wächst die Debatte darüber, wie sehr Online-Shopping tatsächlich das Einkaufen vor Ort ersetzt und ob ein geöffneter Sonntag überhaupt noch der große Magnet ist – viele Deutsche nutzen den Tag nämlich lieber für Freizeit und Familie, wie Umfragen der letzten Tage zeigen.

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