Es wäre nicht das erste Mal, dass Koalitionsverhandlungen kaum lösbare Spagate erfordern. Koch sieht eine Verständigung zwischen Union und SPD durchaus als möglich – allerdings dürften dabei beide Seiten an jenen Punkten nachgeben müssen, die ihnen eigentlich besonders wichtig sind. Ganz nebenbei: Die Frage, ob ein Paket mit flexiblerem Arbeitsmarkt und Abstrichen bei der Reichensteuer vorstellbar sei, lässt Koch charmant offen. „Ich bin nicht am Verhandlungstisch, aber ausschließen will ich Ihre Gedankenspiele nicht.“ Offenbar unterschätzen manche Sozialdemokraten, wie elementar die Arbeitsmarktreform für die Union ist. Kommt es hier zu einer Einigung, dürften an anderen Störstellen – Pain Points wie zum Beispiel die Reichensteuer – auch Kompromisse für die Sozialdemokraten fällig werden. Gleichzeitig kritisiert Koch die aktuellen Reformpakete zu Rente, Pflege und Steuern: Sie sind zwar nötig, erzeugen aber keine Wirtschaftsimpulse. „Es bringt nichts, einen winzigen Kuchen mit immer ausgeklügelterer Verteilungspolitik zu verteilen. Den Kuchen selbst größer zu backen – darum müsste es gehen“, so Koch. Als warnendes Beispiel erwähnt er Volkswagen als Symbol für die Herausforderungen. Darüber hinaus fordert Koch ein radikaleres Streichen von Subventionen: Nur wenn die Staatsausgaben schrumpfen, seien echte Entlastungen für die Bürger möglich. Blockiere die Union den Subventionsabbau, wäre das für Koch ein Fehler mit Langzeitfolgen.
Roland Koch spricht sich für Kompromisse bei der Reichensteuer aus, um wesentliche Arbeitsmarktreformen durchzusetzen und damit die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Er kritisiert zu enge Fokussierung auf Umverteilung und mahnt eine Offensive zur Wirtschaftsstärkung wie den gezielten Subventionsabbau an. Recherchen in aktuellen Medien zeigen: Die Debatte um Zugeständnisse bei Steuerfragen und die Forderung nach Strukturreformen spitzen sich weiter zu, wobei insbesondere Maßnahmen gegen die konjunkturelle Schwäche und für Innovation im Zentrum stehen.