Krankenkassen stabilisieren, ohne Apotheken ins Abseits zu drängen

Berlin – Die ABDA macht mobil: Vor einer erneuten finanziellen Bürde für Apotheken im neuen Gesetz zur Stabilisierung der GKV-Beitragssätze warnt sie die Bundestagsabgeordneten eindringlich. Der Gesundheitsausschuss berät morgen über ein Vorhaben, das besonders die 16.000 Apotheken in Deutschland spüren würden.

07.07.26 14:11 Uhr | 2 mal gelesen

„Wir fordern ganz klar: Folgen Sie dem Vorschlag des Bundesrats und lehnen Sie diese geplante dauerhafte Anhebung des Apothekenabschlags ab. Wir können es uns schlicht nicht erlauben, das Apothekensystem noch weiter zu schwächen“, betont ABDA-Präsident Thomas Preis. Die Bundesregierung möchte den Abschlag, den Apotheken an die Krankenkassen pro Medikament zahlen müssen, ab 2027 von 1,77 auf 2,07 Euro erhöhen. Ironischerweise wird damit das erhöhte Festhonorar von 9,50 Euro für Apotheken direkt wieder geschmälert – und das, obwohl laut Koalitionsvertrag eine Stärkung der Apotheken vorgesehen war. Preis stellt klar: „Niemand bestreitet, dass die Finanzlage der Krankenkassen stabil bleiben muss. Doch nach Jahren chronischer Unterfinanzierung und einem Schwund von fast jedem fünften Apothekenstandort ist für uns keine weitere Kürzung zu verkraften.“ Viele Apotheken, so Preis, hätten ohnehin durch die ausbleibende Anpassung der Vergütung seit 2013 Milliarden an die Kassen abgegeben. Neue Belastungen seien fatal – sie würden Übernahmen oder Neugründungen in kleinen Orten praktisch unmöglich machen. "Wir brauchen endlich ein System, bei dem die Apothekenvergütung jährlich transparent und gemeinsam mit den Krankenkassen ausgehandelt wird, orientiert an wirtschaftlichen Fakten. Damit sichern wir nicht nur die Versorgung in Stadt und Land, sondern auch die Existenzgrundlage für viele Apotheken", so Preis. Jetzt sei der Moment für Politik und Bundesrat zu handeln. Mehr Details finden sich übrigens direkt bei der ABDA. Kontaktmöglichkeiten gibt’s auch, falls jemand tiefer einsteigen will.

Die aktuelle Debatte um die GKV-Beitragssatzstabilisierung hat erneut die angespannte Situation der Apotheken in Deutschland ins Zentrum gerückt. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Apotheken deutlich zurückgegangen, was insbesondere die medizinische Versorgung auf dem Land zunehmend bedroht. Die Gespräche im Bundestag am Mittwoch, bei denen es um eine höhere Belastung der Apotheken zugunsten der Krankenkassen geht, könnten Konsequenzen weit über finanzielle Abwägungen hinaus haben: Fraglich bleibt, ob die politisch beschworene Stärkung der Apothekerberufe mit solchen Maßnahmen überhaupt erreichbar ist, oder ob man damit nicht im Gegenteil einen weiteren Abbau bei wichtigen Gesundheitsdienstleistern riskiert. Nach neuen Medienberichten laufen die Fronten zwischen Bundesregierung und Apothekerverbänden aktuell völlig verhärtet (vgl. Süddeutsche, FAZ). Übrigens: Andere europäische Länder setzen zunehmend auf individuell verhandelte Honorare und flexible Modelle, um die lokale Pharma-Versorgung sicherzustellen. Aktuelle Ergänzungen aus der Recherche: In den letzten 48 Stunden ist die Unsicherheit unter Apothekern vielerorts spürbar geworden. Die Verbände fordern mehr Mitspracherecht und mahnen zur Vorsicht, vor allem, weil es nicht allein um Zahlen, sondern um die Versorgungssicherheit geht. Der politische Diskurs spiegelt die wachsende Kluft zwischen Reformwilligen und der Sorge um die Substanz des Apothekennetzes.

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