Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Ministerien und das Kanzleramt mit KI in Redaktionsfragen umgehen. Laut einer Anfrage des Spiegels unter Kanzler Merz (CDU) bleibt die direkte Redeerstellung dort weitgehend Menschensache. Merz und Kanzleramtschef Frei basteln persönlich an ihren Reden und sind bekannt dafür, Texte gerne selbst zu formen – mit ein bisschen Input vom Team, versteht sich. KI? Höchstens mal zur Informationssuche, aber nicht fürs Schreiben an sich. Grundlage für die (spärlichen) Einsätze sind die bekannten KI-Leitlinien aus dem Innenministerium.
Im Finanzministerium (unter Klingbeil, SPD) existiert immerhin eine nutzwertige Dienstanweisung, die die erlaubten KI-Anwendungen genau regelt – allerdings sind Reden für die Leitung tabu für KI. Im Auswärtigen Amt (unter Wadephul, CDU) und auch zuvor mit Baerbock (Grüne) gibt man sich eher traditionell: Hier sind Reden weiterhin Handarbeit der Mitarbeitenden. Erwähnenswert ist dort vor allem die extra aufgesetzte KI-Charta, in der die berühmte „menschliche Autonomie“ betont wird. Auch Handreichungen zur sicheren KI-Nutzung existieren schon, aber keine allgemeine Anweisung.
Dann gibt es Ministerien wie Landwirtschaft (Rainer, CSU) oder Arbeit (Bas, SPD): Hier ist KI als Werkzeug, vielleicht sogar als vorsichtiges Helferlein, erlaubt – aber stets unter strengem Vorbehalt. Bei der Recherche oder beim Formulieren einzelner Sätze hilft manchmal die Maschine, das letzte Wort bleibt aber beim Menschen am Schreibtisch. Ein bisschen wie ein smarter Ideensturm, den man aber lieber nicht ungebremst toben lässt.
Besonders rigoros tritt das Gesundheitsministerium (Warken, CDU) auf. Da wird betont, dass Reden komplett ohne KI entstehen. Für andere, kleinere Anwendungsfälle wird KI allerdings geprüft und getestet, aber eben nicht beim Verfassen öffentlicher Texte. Auch beim Entwicklungsministerium (BMZ, Alabali-Radovan, SPD) werden Reden pur ohne KI produziert. Immerhin gibt’s hier eine Handreichung für generative KI, hauptsächlich für die Kennzeichnung und Prüfung von solchen Texten, falls sie doch irgendwo auftauchen.
Und so bleibt zurzeit recht viel Spielraum – mal hilft die KI, mal darf sie nicht mit auf die Bühne. Digitalminister Wildberger (CDU) denkt nun über einheitlichere Vorgaben nach, aber auch das ist bislang eher ein vages Versprechen als ein festes Gesetz. Mich beschäftigt dabei: Wollen wir eigentlich, dass Reden immer noch persönlich, vielleicht sogar fehlerhaft und lebendig wirken? Oder soll alles künftig glatter, KI-optimiert und auf Nummer sicher getrimmt werden?
Die Bundesregierung regelt den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Erstellung von Reden und Texten je nach Ressort unterschiedlich. Das Kanzleramt und mehrere Ministerien betonen, dass Reden weiterhin aus Menschenhand stammen und KI allenfalls punktuell, etwa zur Recherche, herangezogen wird. Dennoch gibt es erste Ansätze zu stärkerer Kontrolle, etwa durch Leitlinien oder interne Dienstanweisungen der Ministerien – und die Debatte, wie viel KI in der politischen Kommunikation erlaubt sein sollte, wird intensiver geführt.
Aus aktuellen Medienberichten ergibt sich zudem, dass die praktische KI-Nutzung über das Schreiben von Reden hinausgeht, beispielsweise bei der Analyse großer Datenmengen und in der Verwaltungseffizienz (Quelle: [Süddeutsche Zeitung]). In einer Hintergrundreportage beleuchtet die FAZ, dass Vertrauen in menschliche Authentizität bei politischen Reden weiterhin hohe Relevanz genießt, selbst wenn KI-Tools in anderen Bereichen entlasten (Quelle: [FAZ]). Digitalminister Wildberger wird in jüngsten Diskussionsbeiträgen als Treiber für klarere Regeln beim KI-Einsatz genannt, da auch in anderen europäischen Ländern vergleichbare Debatten aktuell an Fahrt aufnehmen (Quelle: [t3n.de]).