Und schon wieder droht einer dieser Momente, die man nachher nur schwer rückgängig machen kann: Das Bildungsprogramm „Kultur macht stark“, das seit Jahren als Hoffnungsanker für Kinder und Jugendliche in Risikolagen gilt, steht vor einer ungewissen Zukunft. Ohne klar geregelte Finanzierung im Bundeshaushalt 2027 könnte es ab 2028 ins Leere laufen – mit gravierenden Folgen. Mindestens 50 Millionen Euro pro Jahr fordern die 27 Programmpartner; Fraktionsübergreifend gibt es Verständnis, trotzdem fehlt es bislang an einer bindenden Zusage der Politik. In den vergangenen Jahren hat das Programm großen Impact gehabt. Individuelle Geschichten von Teilnehmenden – wie das eines Jugendlichen aus einer Hamburger Plattenbausiedlung, der durch das Theaterspielen nicht nur die Sprache, sondern auch Selbstvertrauen und neue Perspektiven fand – sagen mehr als Statistiken. Aber es gibt diese Zahlen: 1,6 Millionen junge Menschen, 21.000 lokale Bündnisse, Projekte in fast jeder Kommune – und trotzdem bedeutet jede Verzögerung den riskanten Rückschritt. Gerade jetzt, nach den alarmierenden Befunden des aktuellen Bildungsberichts, wirkt das Zögern der Politik wie ein Déjà-vu. Die Sorge: Zerreißen die gewachsenen Netzwerke vor Ort, verschwinden oft nicht nur die Projekte, sondern auch die engagierten Fachkräfte, die eine Brücke zwischen Kindern und Bildung schlagen. Es geht eben um mehr als Papier und Zahlen – es geht um das Lebensgefühl der nächsten Generation, um kulturelle Teilhabe und das Gefühl, gesehen zu werden. Um sich bei alldem nicht in Pathos zu verlieren: Knappe Kassen sind Realität, aber Chancengleichheit sollte kein Sparposten werden. Wer hier aussetzt, riskiert einen Dominoeffekt. Daher lautet die Forderung: Jetzt Nägel mit Köpfen machen, statt später die Scherben zusammenzukehren.
Die Debatte um die Finanzierung der vierten Förderphase von 'Kultur macht stark' ist derzeit aktueller denn je – gerade da die Haushaltsverhandlungen für 2027 bereits auf der Zielgeraden sind. Expert:innen warnen davor, dass ohne eine rechtzeitige, verbindliche Zusage und ausreichende Mittel tausende Projekte pausieren oder gar verschwinden könnten, mit fatalen Auswirkungen auf Kinder, deren Bildungswege ohnehin steinig sind. Rund 90 Prozent der Teilnehmenden berichten von größerem Selbstwertgefühl und sozialer Kompetenz, viele Projekte insbesondere im ländlichen Raum tragen zudem dazu bei, gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden.
Neue Recherchen zeigen aktuell, dass auch andere Initiativen aus dem Bereich der außerschulischen Bildung durch haushaltspolitische Unsicherheiten in ihrer Existenz bedroht sind. Laut FAZ haben einzelne Bundesländer signalisiert, notfalls mit eigenen Programmen gegenzusteuern, doch den flächendeckenden Effekt des Bundesprogramms könnten sie kaum auffangen. Außerdem zeichnet sich im Bildungsbereich zunehmend ab, dass der Rückgang kultureller Angebote und mangelnde Versorgung mit Ganztagsbetreuung zu einer Verschärfung der Bildungsarmut führen könnte – ein Problem, das nicht zuletzt durch die schwächelnde Konjunktur in Deutschland verschärft wird. Mehrere Zeitungen weisen darauf hin, dass Politik und Gesellschaft jetzt Wege finden müssen, gemeinsam in langfristige Bildungsstrategien – jenseits reiner Symbolpolitik – zu investieren.