Mehr Eigenverantwortung: Berlin drängt auf stärker europäische Nato-Strategie

Die deutsche Regierung will die Nato mit mehr europäischem Gewicht und Verantwortung erneuern.

heute 10:53 Uhr | 1 mal gelesen

Noch vor dem bevorstehenden Nato-Gipfel in Ankara ist aus Berlin zu hören, dass es höchste Zeit für ein klareres, entschlosseneres europäisches Profil im Militärbündnis sei. Laut deutschen Regierungskreisen ist das eine Grundvoraussetzung, damit der transatlantische Zusammenhalt – also die starke Verbindung zu den USA – auf Dauer bestehen kann. Kanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte die Hoffnung, dass vom Treffen ein Impuls für mehr Zusammenhalt und Eigenständigkeit der Europäer ausgeht – sinnbildlich ist da vom 'Geist von Ankara' die Rede. Gemeint ist: Europäische Staaten sollen finanziell mehr beisteuern und vor allem engmaschiger in der Verteidigungsindustrie kooperieren. Parallel peilt man eine gemeinsame Erklärung europäischer Verteidigungsminister an. Unterdessen spielt bei dem Treffen auch der mögliche Milliarden-U-Boot-Deal eine Rolle: Kanada denkt laut darüber nach, bis zu 12 U-Boote vom Typ 212CD (produziert von Thyssenkrupp Marine Systems mit norwegischer Beteiligung) für insgesamt 16 Milliarden Euro zu beschaffen – das wäre ein wirtschaftlich und sicherheitspolitisch langfristiges Signal Richtung Deutschland. Ein weiteres zentrales Thema: Die Europäer – und explizit auch Deutschland – haben ihre Verteidigungsetats im vergangenen Jahr spürbar aufgestockt. Spitzenreiter ist dabei Deutschland, mit einer Verdoppelung seit 2022 auf nun 124 Milliarden Euro. Laut Bundesregierung will man das Fünf-Prozent-Ziel der Nato schon bis 2029 erreichen – also schneller als ursprünglich im niederländischen Den Haag beschlossen. Nicht zu vergessen: Auch um die Ukraine geht es auf dem Gipfel. Ein von Berlin vorgeschlagener internationaler Unterstützungsfonds soll für die Jahre 2026/27 insgesamt 70 Milliarden Euro aus europäischen und bilateralen Beiträgen zusichern, um Planungssicherheit für Kiew zu schaffen und zugleich andere Länder stärker in die Pflicht zu nehmen.

Die Bundesregierung drängt auf einen Profilgewinn der europäischen Nato-Staaten. Das Ziel: Europa soll innerhalb des Bündnisses erwachsener auftreten und langfristig mehr Verantwortung tragen – politisch, finanziell und industriell. Vor dem Hintergrund globaler Unsicherheiten und wachsender Kritik aus den USA betont Deutschland das steigende Engagement und verweist auf massive Erhöhungen der Verteidigungsausgaben sowie die Initiative für langfristige Ukraine-Hilfen. Bislang ist das neue 'Fünf-Prozent-Ziel' der Nato noch nicht offiziell, spielt aber in Debatten um künftige Sicherheitsarchitekturen eine wichtige Rolle. Ergänzende Recherche: Laut aktuellem Stand setzt die Bundesregierung besonders auf die vertiefte europäische Zusammenarbeit in Forschungs- und Rüstungsprojekten, etwa im Rahmen des European Sky Shield und dem geplanten deutsch-französischen Kampfjet-System FCAS. Gleichzeitig diskutiert die EU einen 'Strategic Compass', der als Leitlinie für zukünftige Verteidigungspolitik dient. Innerhalb der Nato stößt das deutsche Engagement sowohl auf Lob – insbesondere für den Ukraine-Pledge – als auch auf Skepsis, was langfristige Volatilität in der US-Politik angeht.

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