Milliardenschwere Engpässe: Bahn-Baustellen bremsen Industrie aus

Stillstand auf deutschen Schienen bringt die Industrie großflächig ins Straucheln – viel gravierender als vermutet.

heute 08:54 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn der Transportweg auf Schienen gestört ist, steht viel mehr auf dem Spiel als pünktliche Rohstofflieferungen – ganze Produktionsketten knicken weg. Das berichten mehrere Branchenverbände mit einer gewissen Bitterkeit. Es geht längst nicht mehr um kleinere Verzögerungen: Milliardenverluste treffen vor allem Branchen wie Stahl, Chemie und Automobilindustrie mit voller Wucht, wie aktuelle Berichte zeigen. Die Stahlindustrie, für ihre enormen Transportrouten auf Zügen fast schon klassischer Bahn-Kunde, fährt derzeit im Sparmodus: Hochöfen laufen gedrosselt, weil Erz oder Schrott nicht mehr rechtzeitig ankommen. Sprecher der Salzgitter AG und Arcelor Mittal erklären übereinstimmend, dass ihre Produktion schon auf kritischem Kurs ist – Materialreserven schwinden, Sicherheitspolster lösen sich auf wie der Frühnebel. Auch Autobauer fahren auf Sicht. Laut Branchenverband VDA liegt ein wachsender Teil der Güter mittlerweile wieder auf der Straße – eigentlich ein deutlicher Rückschritt in Sachen Nachhaltigkeit! Ein Nebeneffekt, der nachdenklich stimmt. Nicht zu vergessen die Chemie – oft unsichtbar, aber in vielerlei Hinsicht systemrelevant. Knapp 25 Millionen Tonnen Chemikalien, viele davon Gefahrgut, gehen jährlich auf Schienen durch die Republik. Wenn da was hakt, brechen Lieferketten auf Werke zusammen, die kaum Lagerflächen bieten. Und wie so oft: Alles wird teurer. "Es braucht ein Umdenken bei der Bahn", so der Verband der Chemischen Industrie, treffend. Was bei Personenzügen halbwegs mit Bussen oder Umleitungen zu lösen ist – das funktioniert beim Frachtverkehr nicht. Man fragt sich schon, wie lange Industrie und Bahn noch gemeinsam auf dem Gleis fahren oder ob irgendwann schlicht nichts mehr rollt.

Deutsche Industriebranchen stehen aufgrund maroder Schieneninfrastruktur mehr und mehr unter Druck. Insbesondere Stahl-, Chemie- und Autoindustrie berichten von massiven Produktionsausfällen, gestiegenen Kosten und einer ungewollten Verlagerung von Güterverkehr zurück auf die Straße. Die Folge sind Milliardenschäden durch Lieferengpässe, drohende Stillstände und zusätzliche logistische Herausforderungen; Experten und Verbände fordern dringend eine koordinierte Priorisierung und innovative Lösungen seitens der Deutschen Bahn. Aktuelle Recherchen zeigen außerdem: Bahnchef Lutz kündigte jüngst einen Investitionsschub von rund 45 Milliarden Euro bis 2027 an, wobei der Fokus auf Erhalt und Modernisierung des Schienennetzes liegen soll. Kritik von Wirtschaft und Verbänden bleibt jedoch laut, da das Nadelöhr vor allem bei Engpässen wie am Knotenpunkt Frankfurt oder auf Nord-Süd-Strecken liegt – hier warten Unternehmen teils stundenlang auf den nächsten freien Zugslot. Zusätzlich wird diskutiert, wie ein beschleunigter Einsatz digitaler Stellwerke und automatisierter Zugleit-Technik helfen könnte, das Chaos kurz- und mittelfristig zu lindern, wobei aber noch erhebliche technologische und politische Hürden bestehen.

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