Neue Allianzen in der Solarbranche: Perowskit-Silizium trifft Matrix-Schindel-Technik

Freiburg – Oxford PV und das Fraunhofer ISE wagen gemeinsam den nächsten Schritt in Sachen Solarinnovation. Sie vereinen zwei Spitzentechnologien: Perowskit-Silizium-Tandemzellen werden erstmals in Matrix-Schindel-Modulen verbaut. Im Rampenlicht steht das alles bei der Intersolar 2026 in München – sowohl als schickes Aufdachmodell als auch als bifaziale Großflächenvariante.

heute 14:32 Uhr | 1 mal gelesen

Da steckt tatsächlich einiges an europäischer Tüftelei drin: Wie Prof. Dr. Stefan Glunz vom Fraunhofer ISE erklärt, haben die Entwickler Solarzellen von Oxford PV in dünne Streifen zerschnitten, sie schindelartig in einer Matrix verlegt und dann mit leitfähigem Klebstoff verschnürt – das Ganze anschließend gut verpackt (Randversiegelung inklusive), damit Feuchtigkeit keine Chance hat. Zusammen kommen dabei zwei ambitionierte Modultypen heraus: Das 491-Watt-Modul für Dächer misst knapp zwei Quadratmeter, das größere Modell für Freiflächenanlagen packt mit 546 Watt auf 2,13 Quadratmeter sogar noch etwas mehr drauf. Auffällig: Beide schaffen satte 25,6 % Effizienz – über die gesamte Fläche. Interessant ist besonders das Zusammenspiel der Technologien. Die Tandemzellen liefern hohe Spannungen und starke Wirkungsgrade, während der niedrigere Stromfluss der aufeinander gestapelten Zellen sogar die Widerstandsverluste im Modul reduziert. Ed Crossland von Oxford PV hebt hervor, dass die Module durch das Schindeldesign produktiver werden, weil sich breitere Zellstreifen leichter verarbeiten lassen – ganz ohne Kupfer-Schnickschnack und aufwändiges Löten. Denn: Die elektrische Verbindung erfolgt bleifrei per Kleber, was Material spart und Umwelt wie Brieftasche schont. Die Perowskit-Silizium-Kombination hebt das Wirkungsgradpotenzial von einst 29,4 auf theoretisch 43,3 % an – glasperlenklar ein echter Effizienzsprung. Produziert wird übrigens aktuell in Brandenburg an der Havel, die Perowskit-Schicht kommt im Dünnschichtverfahren direkt auf die Siliziumbasis. Die Matrix-Schindelverschaltung zeigt zudem einen überraschenden Trick: Bei Teilverschattung kann der Strom die Störenfriede einfach umfließen, im besten Fall bleibt doppelt so viel Leistung wie bei herkömmlichen Anschlüssen erhalten. Hinter alldem steht das BMWE-Projekt "HoTSun", das die Entwicklung gefördert hat.

Die Zusammenarbeit von Oxford PV und dem Fraunhofer ISE bringt nicht nur Top-Effizienzmodule auf den Markt, sondern zeigt auch, wie Forschung und Produktion Hand in Hand gehen können. Aktuell erscheinen Perowskit-Silizium-Tandemzellen als Hoffnungsträger, das Schindel-Prinzip setzt neue Standards in der Modulverschaltung – und sogar Umweltaspekte wie Bleifreiheit und Materialeinsparungen geraten ins Rampenlicht. Noch laufen Pilotproduktionen, aber die Zeichen stehen auf Ausbau und Praxistest. Die Entwicklung der Solarbranche insgesamt ist dynamisch: In den letzten Tagen wurde von mehreren großen Photovoltaik-Initiativen in Europa berichtet – etwa zur EU-Solarindustrie-Strategie und zur Investitionsoffensive für erneuerbare Energien. Auch die technischen Herausforderungen der Perowskit-Zellen, etwa die Langzeitstabilität bei Außenanwendungen, bleiben Thema. Parallel deuten sich neue Subventionen und regulatorische Änderungen an, um die heimische Produktion zu stärken und globale Abhängigkeiten zu reduzieren. China bleibt zwar weiterhin der größte Player auf dem Weltmarkt, aber die Innovationskraft und das Engagement europäischer Institute geraten zunehmend in den Fokus. Insgesamt wächst die Hoffnung, dass neue Zelltypen wie die von Oxford PV und optimierte Modulverschaltungen einen großen Sprung für die Energiewende markieren.

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