Mittwochmorgen, ein neuer Bericht kursiert: Laut Econpol Europe könnten frisch geschnürte Handelsabkommen der EU der lahmenden Wirtschaftsmaschine Europas einen willkommenen Auftrieb verschaffen – kein Allheilmittel, aber doch ein Lichtblick. Der Studie zufolge, deren Resultate irgendwo zwischen kleinem Satz und großem Hoffnungsschimmer changieren, könnte die Industrie in der EU langfristig bis zu 1,1 Prozent mehr Wertschöpfung erzielen. Die gesamten volkswirtschaftlichen Auswirkungen? Plus 0,43 Prozent im EU-Schnitt, zumindest rein rechnerisch. Die Forscherin Lisandra Flach vom ifo-Institut kommentiert optimistisch, der Abschluss von Abkommen mit Ländern wie Indien, Australien, Mercosur-Staaten und den südostasiatischen Tigerstaaten könnte – trotz Gegenwind durch US-Zölle – für einen kleinen Wachstumsschub sorgen.
Interessant: Während alle EU-Mitglieder mehr oder weniger profitieren würden, zeigt die Studie hübsch gestaffelte Effekte. Deutschland beispielsweise könnte zwischen 0,47 Prozentpunkten mehr Wirtschaftsleistung herausholen, Frankreich 0,29 und Italien 0,33 – Malta, oft eher im Schatten, würde mit einem dicken Plus von 1,91 Prozent auftrumpfen. Ohne weitere Freihandelsabkommen, mahnt die Studie, könnten US-Strafzölle die EU-Wirtschaft allerdings um 0,08 Prozent ausbremsen – und die Industrie bekäme es mit einem Wertschöpfungsverlust von gut 1,3 Prozent zu tun.
Das Papier nimmt besonders künftige Abkommen mit Mercosur, Indien, Australien und Ländern Südostasiens in den Fokus. Viele davon sind längst ausverhandelt, warten aber noch auf den endgültigen politischen Segen. Es bleibt abzuwarten, ob und in welchem Tempo diese Umsetzung gelingt – und ob die gemachten Rechnungen auch in der Wirklichkeit aufgehen. Vielleicht klingen solche Prognosen auf dem Papier klarer, als sich der ökonomische Alltag tatsächlich gestaltet. Aber manchmal reicht ja schon der Gedanke an einen Möglichkeitsraum, um Gesprächsstoff und Hoffnung zu liefern.
Die vorliegende Studie von Econpol Europe untersucht die Auswirkungen potenzieller neuer EU-Freihandelsabkommen und rechnet mit bemerkenswerten positiven Impulsen vor allem für die Industrie. Sie benennt explizit Länder wie die Mercosur-Staaten, Indien, Australien und südostasiatische Partner als mögliche Wachstumsmotoren, sofern die Abkommen endlich politisch abgeschlossen werden. Auch vor dem Hintergrund steigender Handelskonflikte – insbesondere durch US-Strafzölle – bleibt der Druck für die EU hoch, neue Märkte zu erschließen und sich widerstandsfähiger aufzustellen.
Weitere Recherchen und aktuelle Presseschauen ergeben, dass das Klima für Handelsabkommen nach wie vor von Unsicherheiten geprägt ist. Laut Berichten von taz.de und Spiegel.de gibt es in der Bevölkerung und unter Umweltverbänden wachsende Bedenken hinsichtlich ökologischer und sozialer Auswirkungen neuer Handelsverträge – insbesondere beim Mercosur-Abkommen, das wegen der Agrarwirtschaft und Umweltfragen immer wieder auf die lange Bank geschoben wird. Zudem berichten die Medien aktuell über politische Spannungen, etwa um die Rolle Frankreichs, das die Ratifizierung neuer Abkommen immer wieder aus strategischen Gründen verzögert.
Der aktuelle Stand: Es bleibt ein Ringen zwischen wirtschaftlichen Chancen und gesellschaftlichen Sorgen, während gleichzeitig der international politische Druck zunimmt. Und am Rande sei erwähnt: Manche Stimmen fordern inzwischen, Handelsabkommen künftig enger mit Klima- und Sozialstandards zu verknüpfen.