Ökonom Werding warnt: Reformpaket zur Rente nicht aufschnüren

Martin Werding, einer der klugen Köpfe im Sachverständigenrat der Bundesregierung und Mitglied der Rentenkommission, hat die Politik daran erinnert, die mühsam gefundene Balance im Rentenpaket nicht zu gefährden, indem einzelne Maßnahmen wieder herausgelöst werden.

03.08.26 22:59 Uhr | 3 mal gelesen

Manchmal hat man das Gefühl, in Deutschland wird an der Rente mehr herumgebastelt als an jedem alten Moped – meint Martin Werding, und man spürt zwischen den Zeilen fast schon ein bisschen Unmut. In einem Interview mit "Capital" erklärte er ziemlich direkt: Die berühmte Rente mit 63 sei auch nur eine Extrawurst für gutverdienende Arbeitnehmer. Werding stellt die ketzerische Frage: Wenn die Privilegierten ihre Vorteile behalten dürfen – wer nimmt dann noch die unangenehmen Seiten der Reform auf die Schulter? Ein bisschen klingt das nach dem alten Spiel: Wer gibt nach, wer bleibt standhaft? Die Kommission, so Werding, hat viel Hirnschmalz investiert, damit jede Gruppe – vom Arbeitnehmer über den Rentner bis zum Chef – ihren Teil trägt. Wenn man diesmal nur einer Gruppe ein Hintertürchen baut, bricht die ganze schöne Konstruktion auseinander. Es bedarf, so Werding, schlicht eines fairen Miteinanders aller Beteiligten, sonst werde aus dem Puzzlestück kein Gesamtbild. Die jüngste Debatte entzündete sich, weil sich Politiker – vor allem aus Ostdeutschland, allen voran drei CDU-Ministerpräsidenten und auch Mecklenburg-Vorpommerns Manuela Schwesig – für den Fortbestand der Rente mit 63 ins Zeug legen. Inzwischen bekommt die Sache sogar Unterstützung von SPD-Ländern aus dem Westen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hingegen pocht darauf, die Vorschläge der Kommission diesmal ohne Herumgefrickel komplett durchzuziehen. Man fragt sich, ob das gelingt – ein kleines Stück Theater fast, bloß ohne Vorhang.

Im Kern geht es Martin Werding darum, die im Reformpaket der Rentenkommission mühsam ausbalancierte Lastenverteilung nicht durch Einzelinteressen zu untergraben. Die "Rente mit 63" sieht er als ein Privileg für eine vergleichsweise besserverdienende Gruppe und warnt davor, solche Ausnahmen beizubehalten, da ansonsten die Bereitschaft für Reformen bei anderen Gruppen schwindet. Die Koalition steht unter Zugzwang: Ostdeutsche CDU-Regierungschefs und SPD-Vertreter aus Westdeutschland wollen die Rente mit 63 retten, während die Bundesregierung auf vollständige Umsetzung der Reformen setzt. Nach aktuellen Recherchen (Stand: 11.06.2024) wird die Rentendebatte auf mehreren Ebenen intensiv geführt: Laut der "Zeit" gerät die Rentenpolitik aktuell wegen starker demografischer Verschiebungen und steigenden Finanzierungslasten zunehmend unter Druck – besonders die Kosten der Rente mit 63 stünden dabei am Pranger. Die "FAZ" zitiert Ökonomen, die davor warnen, Einzellösungen zu schaffen und die Systematik des Rentensystems aufzubrechen. "taz" hebt hervor, dass die SPD inzwischen durch parteiinterne Konflikte bei der Rententhematik zwischen Anspruch und Regierungsrealität stehe, während gleichzeitig der politische Druck aus den Ländern wachse.

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