Zwischen Ende April und Ende Mai 2026 öffnet der MDR erstmals seine Materialkammern für externe Bieter. Wer sich eines der Unikate sichern möchte, kann ab 27. April, nach Anmeldung auf www.haemmerle.de, mitsteigern. Die gewonnenen Schätze sind im Juni 2026 direkt in Leipzig abzuholen – doch beeilen sollten sich Interessenten, denn das Angebot ist nicht nur überraschend breit, sondern auch definitiv einmalig.
Im Mix tummeln sich alte Bühnenbilder und markante Studiomöbel neben Vintage-Lampen, Gartenzubehör und Messe-Aufbauten. Alles stammt aus verschiedenen MDR-Sendungen – von Alltagsdingen bis zu extravagant-designten Einzelstücken. Was früher im Rampenlicht stand, könnte bald Wohnzimmer oder Kultureinrichtung bereichern.
Was steckt hinter dieser riesigen Räumung? Die bisher ausladenden Lagerflächen für MDR-Kulissen, Groß- und Kleinrequisiten werden radikal eingestampft – unter anderem, weil der Mietvertrag ausgelaufen ist. Überhaupt, Studio-Realität ist heute eine andere als noch vor zehn Jahren: Digitaltechnik, Animation und virtuelle Projektionen verdrängen den Bedarf an echten Kulissen immer mehr. Statt gebauter Studiowände regieren Renderings, mag man sagen.
Auch finanziell kommt der Schrumpfkurs nicht von ungefähr. Einerseits muss gespart werden: Die Bundesländer blockieren bekanntlich schon seit 2025 eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Andererseits hilft der Versteigerungserlös, Umzugs- und Entsorgungskosten zu stemmen. Die neue, geschrumpfte Fundus-Heimat bleibt dem MDR zwar erhalten, aber alles, was keinen Platz mehr findet, soll noch einmal neue Hände und ein zweites Leben bekommen – das ist zumindest der Plan. Schon spannend, wie viel Geschichte so in Kartons und auf Paletten schlummern kann.
Bei Fragen kann man direkt unter der Angabe des MDR-Kommunikationsteams anrufen oder mailen – ganz oldschool übrigens.
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) trennt sich von einem Großteil seines Requisiten-Fundus und versteigert zahlreiche Requisiten, Studioausstattungen und Erinnerungsobjekte online. Hintergrund sind der Ablauf eines bestehenden Mietvertrags, die Umstellung auf digitale Produktionsmethoden und ein kontinuierlicher Sparkurs angesichts eines stagnierenden Rundfunkbeitrags, den die Bundesländer weiterhin nicht anheben. Die Auktion ermöglicht es nicht nur Fans, ein Stück Rundfunkgeschichte zu erwerben, sondern finanziert auch notwendige Kosten im Rahmen des Umzugs und der Entsorgung.
Recherchen zeigen: Besonders die Auswirkungen der fehlenden Beitragserhöhungen beschäftigen aktuell viele öffentlich-rechtliche Anstalten in Deutschland. Laut taz warnen Medienexperten vor einem Abbau kultureller Angebote in Ostdeutschland und sehen die Reduktion von physischem Inventar als Konsequenz verschärfter Sparkonzepte. Die Süddeutsche beschreibt, wie auch andere Sender zunehmend digitale Kulissen nutzen, um Kosten und Ressourcen zu sparen, und wie Zuschauer so nicht selten nostalgisch auf reale Studiokulissen blicken. Darüber hinaus berichten die Krautreporter, dass solche Auktionen von Fernsehanstalten wachsenden Absatz finden und neben Sammlern auch Kreative aus Kunst und Theater anlocken, die auf der Suche nach originellen Einzelstücken für eigene Projekte sind.