Katharina Reiche, die CDU-Politikerin, war schon einmal in Ministerfunktionen zum Thema Strompreis unterwegs – von 2009 bis 2013 als Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium. Damals dampfte man den Zubau der Photovoltaik über verringerte Vergütungen ein, eine Entscheidung, die ihre Spuren hinterlassen hat. Heute erinnert Reiche: 'Oft entsteht Strom da, wo das Netz ihn gar nicht aufnehmen kann – er wird abgeregelt, anderswo springen Kraftwerke ein.' Das treibt die Kosten für Redispatch, teuren Netzausbau und Dauersubventionen, so Reiche. Allein 2025 stecke der Staat zig Milliarden ins Stromsystem, doch die Preise sind immer noch höher als in anderen Industrieländern.
Doch laut Reiche ist die Lösung nicht weniger Ausbau der Erneuerbaren oder mehr Fördergelder, sondern ein abgestimmtes Zusammenspiel aller Akteure: Erzeugung, Netze, Speicher und flexible Verbraucher. 'Daran arbeiten wir gerade – Ausbau von Wind und Sonne läuft synchron mit Netzausbau, Wettbewerbsmechanismen werden geschärft, Speicher und Flexibilität gefördert.' Aber das geht nicht von heute auf morgen: Kraftwerke, die einspringen, wenn es dunkel und windstill ist, seien nötig – und langfristig diversifizierte Gasverträge sollen Preissprünge abfedern.
Reiche verweist auf lange Investitionszyklen und mahnt Geduld an: Die Grundlagen für einen wirklich wettbewerbsfähigen Strommarkt müssten jetzt geschaffen werden. Im Koalitionsvertrag sei immerhin festgehalten, die Energiekosten entschlossen zu senken – unter anderem mit billigeren Stromsteuern sowie Umverteilung der CO2-Bepreisung. Kürzlich zeigte eine vom BUND in Auftrag gegebene Studie: Ein Stromsystem, das zu 80% aus Erneuerbaren besteht, kann Preisspitzen abmildern und würde auf lange Sicht sogar 64 Prozent billiger werden als das fossil dominierte Jahr 2011.
Reiche betont, dass die schleppende Senkung der Strompreise auf historische Fehler in der deutschen Energiepolitik zurückgeht, insbesondere die unzureichende Koordination von Erneuerbaren-Ausbau und Netzplanung. Die Ministerin sieht den Schlüssel für günstigen Strom in einem Gesamtsystem aus Erzeugung, Netzausbau, Speichertechnik und flexibler Nachfrage, das allerdings Zeit brauche, um wirksam zu werden. Eine aktuelle Studie des BUND unterstützt das Konzept, indem sie aufzeigt, dass ein starker Erneuerbaren-Anteil sowohl Preisspitzen glättet als auch durchschnittliche Preise senkt, sofern das System clever gemanagt wird.
Neuere Recherchen weisen darauf hin, dass die Bundesregierung jüngst angekündigt hat, die Stromsteuer ab 2024 vorübergehend auf das europaweit zulässige Minimum zu senken, um Bürgerinnen und Bürger rasch zu entlasten. Zugleich heizt die Diskussion um die Wirtschaftlichkeit des Kohleausstiegs und die Notwendigkeit flexibler Gaskraftwerke die Debatte über die nächsten Schritte der Energiewende weiter an. Experten und Wirtschaftsverbände fordern mehr Planungssicherheit und schnellere Genehmigungen für neue Netze und Speicher, was die Zeit bis zu tatsächlich spürbar sinkenden Strompreisen weiter in die Länge ziehen könnte.