Requiem für die Wüstenlöwen: Letzte Jäger an Namibias Küste?

Rheinau – Um die letzten Wüstenlöwen ist es still geworden. Ihre Fährten verlieren sich im sandigen Wind des nordwestlichen Namibias, wo sie einst zwischen endloser Wüste und Atlantikküste um Beute kämpften – in seltenen Fällen sogar um Robben aus einer der abgelegenen Kolonien an der berühmt-unwirtlichen Skelettküste.

heute 12:00 Uhr | 2 mal gelesen

Seit 2018 verfolgt Matto Barfuss das Schicksal der Wüstenlöwen mit der Kamera, doch Zuversicht hat ihn nie begleitet. Schon vor einigen Jahren gab es nur ein paar vereinzelte Tiere, weit verstreut in einer riesigen, fast surrealen Landschaft, deren Grenzen kaum greifbar sind.

Mittlerweile dürften wohl höchstens noch zehn dieser Löwen existieren – und die wenigen, die geblieben sind, sind eng miteinander verwandt. Vom einstigen Rudel ist praktisch nichts mehr da. Barfuss’ Prognose: Das Zeitalter der Wüstenlöwen neigt sich dem Ende.

Auch um das Schutzprojekt des Forschers Dr. Philip Stander ist es ruhig. Die jüngsten Sichtungsberichte auf deren Website enden: 2024. Dr. Stander hat fast alle verbleibenden Tiere mit GPS-Halsbändern versehen; sein Ziel war es, Wanderungen festzuhalten und Farmer rechtzeitig zu warnen, falls Raubtiere ihren Höfen zu nahekommen sollten.

Die größte Herausforderung ist der Konflikt mit der lokalen Landwirtschaft. Aus Sicht eines Löwen ist das Vieh auf Farmen reines, leicht gebrechliches Wild, das nach ihrem Instinkt zur natürlichen Nahrungspalette zählt. Kaum verwunderlich also, dass sie solche Gelegenheiten nutzen – das ist eben ihr Instinkt.

Die Wüstenlöwen sind zutiefst angepasst, halten lang zur Mutter, weil in dieser Umgebung nur perfekte Ausbildung zum Überleben reicht. Ihre Hauptbeute: Tiere wie Giraffen, Oryx und Springböcke – zäh und wasserunabhängig. Not macht erfinderisch, deshalb jagen sie sogar im kühlen Atlantik, wo sich Robbenkolonien tummeln.

Ein funktionierendes Löwenrudel ist hierbei überlebenswichtig, nicht nur zur Jagd, sondern als soziales Sicherheitsnetz. Kranke oder alternde Tiere bekommen hier Hilfe, aber dieses Band ist 2023/2024 zerrissen. Bis etwa Ende 2022 dokumentierte Barfuss noch ein winziges Rudel mit Nachwuchs – zwei Babys überlebten. Doch das Rudel zerfiel. Die ältere der beiden Löwinnen wurde 2024 zur Einzeljägerin.

Im Juni 2024 erledigte diese einsame Löwin eine halberwachsene Giraffe – eine erstaunliche Leistung. Doch Matto Barfuss hatte kein gutes Gefühl: Ihre Kräfte schwanden, das Überleben alleine war aussichtslos.

Tragischer Höhepunkt: 2025 griff diese Löwin einen namibischen Unternehmer an – paradox, denn er war Sponsor des Wüstenlöwenprojekts. Sie war am Verhungern, lauerte in ihrer Not auf ihn und tötete ihn. Tags darauf wurde sie erschossen, nachdem sie in ein Zeltcamp eingebrochen war.

Unterdessen werden im Touristengeschäft Löwen aus dem Etoshapark kurzerhand als „Wüstenlöwen“ vermarktet. Ein Etikettenschwindel: Diese Tiere sind auf das Grenzgebiet zur Wüste nie wirklich angepasst.

Dass Farmer sich über eine „Löwenschwemme“ beklagen und sogar Bestandsreduktion fordern, ist Resultat mangelnder Schutzmaßnahmen und kontraproduktiver Rhetorik. Dem eigentlichen Wüstenlöwen sind solche Debatten allerdings kaum noch von Bedeutung – sein Schicksal scheint besiegelt.

Tourismus oder Trophäenjagd? Namibia steht am Scheideweg. Die wahren Wüstenlöwen sind praktisch verloren. Doch für ihre eng verwandten Artgenossen in der Nachbarschaft gäbe es eine Zukunft – wenn nachhaltige Lösungen greifen.

Programme wie „Bildung für Artenschutz“ der Matto Barfuss Stiftung versuchen, neue Wege zwischen Mensch und Wildtier zu eröffnen, und den eigentlichen Wert der Löwen für Wirtschaft und Identität des Landes zu vermitteln.

Mehr unter: http://www.matto-barfuss.com

Die Anzahl der wild lebenden Wüstenlöwen in Nordwest-Namibia ist extrem geschrumpft; nur noch ein kleines, durch Inzucht bedrohtes Grüppchen bleibt. Hauptursachen hierfür sind Mensch-Tier-Konflikte, besonders mit Farmern, sowie der Zerfall sozialer Strukturen innerhalb der Löwenrudel. Während die Politik und Tourismusbranche häufig mit irreführenden Zahlen und Begriffen arbeiten, laufen Naturschützer wie Matto Barfuss und Initiativen für Bildung und Artenschutz gegen die rapide Auslöschung der letzten Wüstenlöwen an. Zusätzliche aktuelle Entwicklungen aus Recherche (Stand: Juni 2024): 1. Namibia registriert insgesamt weiterhin einen dramatischen Rückgang vieler Großraubtierbestände, wobei sich die Nerven zwischen Tierschutz, Viehzucht und Tourismus spürbar verschärfen. 2. Naturschutzorganisationen fordern konsequente Kompromisse – unter anderem soll die Politik lokalen Gemeinden bessere Alternativen zu Viehzucht eröffnen, um die Toleranz gegenüber Raubtieren zu verbessern. 3. Laut Medienberichten aus der Region werden die Interessen von Großwildjägern und Tourismusunternehmen gegeneinander ausgespielt, wobei sich die Position der Wüstenlöwen innerhalb dieser Dynamik weiter verschlechtert (Quelle: https://www.dw.com), (Quelle: https://www.spiegel.de), (Quelle: https://www.faz.net). Die Löwen Nordwest-Namibias gelten inzwischen als eines der letzten Beispiele extremer Tieranpassung – doch der Schutz vor ihrer endgültigen Ausrottung bleibt aktuell schwach institutionalisiert.

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