Rheinmetall drängt auf Verlässlichkeit: Der Rüstungsriese pocht auf politische Zusicherungen

Kurz vor dem Nato-Gipfel macht Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger Druck: Er fordert von der Politik endlich konkrete Zusagen für neue Waffenprojekte – und sieht darin eine Weichenstellung für Europas Sicherheit.

heute 00:02 Uhr | 3 mal gelesen

So kann es nicht weitergehen, gibt sich Armin Papperger, der Mann an der Spitze von Rheinmetall, überzeugt – und lässt das die Politik wissen. „Unsere Verantwortung gegenüber der Bundeswehr und den Bündnispartnern können wir nur wahrnehmen, wenn die Politik uns die nötige Planungssicherheit gibt“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, als sei das eigentlich selbstverständlich – aber offenbar ist es das eben nicht. Was Papperger konkret will, sind feste Verträge und verlässliche Abschlüsse, damit sein Unternehmen nicht auf Vorrat produziert, sondern gezielt investieren kann. Nur mit gesicherten Zahlungen und Abnahmegarantien ließen sich Kapazitäten und neue Technologien aufbauen. Was dabei gern übersehen wird: Die schleppende Entscheidungsfreude der Politik behindert nach Ansicht vieler Unternehmen in der Branche nicht nur den Nachschub für die Armeen, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit auf globaler Ebene. Papperger sieht aber auch eine Chance: Gemeinsame europäische Rüstungsinitiativen könnten, so seine Hoffnung, zu einheitlicheren Standards führen. Das sei letztlich der Schlüssel zu Kostenvorteilen, starker Industrie und mehr Sicherheit. Zwischendurch hebt der Rheinmetall-Chef noch die Bedeutung der Partnerschaft mit den USA hervor. Wer glaubt, Europa könne es allein schaffen, verkenne die Lage, gibt er zu bedenken. „Die gemeinsamen Programme mit den Amerikanern sind für unseren Kontinent grundlegend.“ Wer da noch zögert, habe wohl einiges aus den Augen verloren.

Rheinmetall fordert von der Politik nicht zuletzt mit Blick auf den anstehenden Nato-Gipfel in Ankara endlich klarere Verhältnisse: Was Papperger anspricht, ist ein Problem, das nicht nur Rüstungsunternehmen betrifft, sondern die gesamte europäische Verteidigungsfähigkeit. Die Forderung nach fixen Abnahmegarantien und finanziellen Vorleistungen steht dabei für eine engere Verzahnung von Staat und Rüstungsindustrie, ohne die der Ausbau moderner Produktionskapazitäten kaum möglich erscheint. Gerade in Hinblick auf sich abzeichnende geopolitische Risiken, den fortlaufenden Krieg in der Ukraine und die Unsicherheit über die künftige Rolle der USA in der Nato wächst der Druck, binnen kurzer Zeit eine robustere, eigenständigere Rüstungsindustrie aufzustellen. Aktuell kursieren in deutschen und europäischen Rüstungskreisen zahlreiche Überlegungen, wie sich die immense Nachfrage nach Munition, Panzern und High-Tech-Systemen in konkrete Aufträge überführen lässt. Die Diskussion berührt auch zentrale Fragen zur europäischen Souveränität, etwa, ob ein eigenständiges Verteidigungsbündnis künftig denkbar ist – oder die Abhängigkeit von den USA bleibt. Unterm Strich steht: Mehr Zusammenarbeit und Investitionen gelten inzwischen nicht nur als wirtschaftlicher Vorteil, sondern als sicherheitspolitische Notwendigkeit. Ergänzt: Am Rande des Nato-Gipfels herrscht angesichts der Wahl in den USA wachsende Unsicherheit, ob die transatlantische Zusammenarbeit in gewohnter Stärke bleibt. Viele Staaten drängen auf eigenständige europäische Fähigkeiten, doch bislang fehlt es ausgerechnet an der verbindlichen politischen Unterstützung, die für die nötigen Investitionen zwingend wäre. Rheinmetall und andere Konzerne drängen daher auf eine Zeitenwende nicht nur bei den Budgets, sondern im Miteinander von Staat und Industrie.

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