Schluss mit der Witwenrente? Wirtschaftsweiser plädiert fürs Rentensplitting

Martin Werding, Mitglied des Sachverständigenrats, spricht sich gegen die traditionelle Witwenrente aus und plädiert für eine zeitgemäße Reform.

heute 00:02 Uhr | 1 mal gelesen

„Mal ehrlich – ist die Witwenrente noch passend in unsere Zeit? Frauen arbeiten, sorgen vor, stehen längst anders im Leben als noch vor ein paar Jahrzehnten!“, meint Martin Werding, Ökonom aus Bochum, der sich im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ ziemlich unverblümt für ein Ende dieser Hinterbliebenenrente ausspricht. Blickt man auf die Zahlen, ist das auch kein Pappenstiel: Fast 50 Milliarden Euro schultert die Rentenkasse jährlich für die Witwenrente – laut Versicherung eine 'versicherungsfremde Leistung'. Werding zieht das schwedische Modell als Beispiel heran: Dort gibt es die klassische Witwenrente schon seit 1990 nicht mehr – zumindest bei neu geschlossenen Ehen. Stattdessen ein Rentensplitting: Die in der Ehezeit erarbeiteten Rentenpunkte werden gleichmäßig auf beide Partner aufgeteilt. Das klingt erstmal nach weniger Rente zu Lebzeiten, bedeutet aber, dass der Hinterbliebene nach dem Tod des Partners immerhin mehr als die Hälfte bezieht. Eine ziemlich pragmatische Art, wie er findet, Gesellschaftswandel und moderne Partnerschaft besser abzubilden. Werding hält das Reformthema für 'überfällig', sieht aber auch selbstkritisch, dass – trotz Mitgliedschaft in der Rentenkommission – bislang nur vage Empfehlungen formuliert wurden. So ganz traut sich die Politik offenbar noch nicht ans Eingemachte.

Martin Werding kritisiert die Witwenrente als Relikt vergangener Zeiten und schlägt stattdessen ein Rentensplitting vor, das sich am schwedischen Modell orientiert. Diese Reform soll vor allem den gesellschaftlichen Wandel und die gestiegene Erwerbstätigkeit von Frauen widerspiegeln; die hohen Kosten und die Tatsache, dass die Witwenrente als 'versicherungsfremde Leistung' gilt, stellen für ihn ein weiteres Argument dar. Neuere Diskussionen in Medien und Politik greifen seine Forderung unterschiedlich auf: Einerseits fordern Sozialverbände verstärkte Sicherungen für geringverdienende Frauen, andererseits machen sich auch andere Ökonomen und Experten für flexiblere Hinterbliebenenmodelle stark – noch fehlt aber ein klarer politischer Konsens.

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