Schufa hortet Altdaten: Längere Speicherdauer als gedacht

Berichten zufolge sammelt und speichert die Schufa sensible Daten von Millionen Menschen in Deutschland deutlich länger, als viele bislang annahmen – und das meist im Verborgenen.

heute 06:02 Uhr | 3 mal gelesen

Es klingt fast wie ein Kapitel aus einem dystopischen Roman: Die Schufa, Deutschlands größte Auskunftei, verwaltet im Verborgenen Informationen, die viele längst als gelöscht glaubten. Laut Recherchen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ lagern in einer kaum bekannten Datenbank munter alte Kredite, frühere Schulden und längst erledigte Insolvenzen – und das, ohne dass Betroffene davon wissen. Das eigentlich Brisante: Die Schufa nutzt diese „Schattendaten“ offenbar für Testzwecke und teilt die gewonnenen Erkenntnisse mit Unternehmen – wobei die Menschen, um deren Daten es geht, davon keine Kenntnis haben. Besonders irritierend ist, wie wenig selbst Fachleute von dieser Praxis wussten. Verbraucherschützer und Datenschutzexperten laufen nun Sturm: Sie erinnern an klare Löschvorschriften und den Grundsatz der Datensparsamkeit gemäß DSGVO. Für Empörung sorgt auch, dass die alten Daten an Dritte wie Energieversorger weitergegeben werden. Die Schufa kontert mit dem Hinweis, das Vorgehen sei ihrer Ansicht nach gesetzlich gedeckt. Aber ob das wirklich so einfach ist? Nun prüft der Landesdatenschutzbeauftragte Hessens, ob die Schufa nicht zumindest offenlegen muss, was sie speichert. Ein Gedanke, der hängen bleibt: Wie viel weiß ein Unternehmen wirklich über uns – und was passiert im Hintergrund, von dem wir nichts ahnen?

Tatsächlich stehen die Praktiken der Schufa aktuell stark im Fokus der Datenschutzdiskussionen. Insiderberichte und Einsichten von Verbraucherschützern, die in mehreren Medien aufgegriffen werden, zeigen, dass die Schufa Unterlagen und Datensätze archiviert, die für die meisten Privatleute irrelevant geworden sind – also z. B. abbezahlte Kredite oder Begleichungen von Insolvenzen, die eigentlich nicht mehr im sogenannten Schufa-Score auftauchen sollten. Die Argumentation des Unternehmens stützt sich auf Interpretationen geltender Gesetze, die jedoch von Datenschützern wie der hessischen Landesdatenschutzbehörde bereits kritisch hinterfragt werden. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sieht das Prinzip der Datensparsamkeit vor, und genau daran stoßen sich Jurist*innen und Datenschützer. Der Ausgang der laufenden Untersuchungen könnte Auswirkungen auf Millionen Verbraucher haben – eine größere Transparenz und strengere Regeln für die Nutzung und Weitergabe sensibler Informationen sind durchaus möglich. In den letzten 48 Stunden diskutieren viele große deutsche Medien die Enthüllung der „Schattendatenbank“ und deren weitreichende Folgen für Verbrauchervertrauen und Datenschutz. Betroffene fragen sich derweil, wie sie Kontrolle bekommen können und wie sich ihre digitale Identität unter solchen Umständen schützen lässt.

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